Das neue Stück im Linzer Theater Phönix „Wölfe, Lämmer, Polaroids“ ist eine Revue mit schwarzem Humor. Autor und Regisseur Josef Maria Krasanovsky zeigt eine Welt, in der Wölfe und Lämmer um neue Rollen kämpfen, Wahrheiten kippen und jedes Polaroid ein verzerrter Abdruck der Gegenwart ist.
Das Theater feiert sich in „Wölfe, Lämmer, Polaroids“ selbst mit Selbstironie, Narzissmus und Liebe zur Rollenarbeit. Alle Facetten, die Theater haben kann, werden gezeigt: von elementarem Spiel mit Körper und Stimme, von Tanz bis zur Opulenz, etwa mit einer detailverliebten Waldkulisse oder Rauch- und Lichtshows.
Selbstüberschätzung ist auch dabei
Autor und Regisseur Josef Maria Krasanovsky reiht meist skurrile Episoden aneinander. Der im Programmheft gezogene Vergleich mit Karl Kraus’ „Die letzten Tage der Menschheit“ fällt für mich jedoch in die Kategorie Selbstüberschätzung. Eine darstellerisch durchaus gelungene Drohne und ein Hauptmann, der sich aus Karrieregründen seiner Mordtaten rühmt, machen noch keine Gesellschaftskritik aus.
Einige Episoden sind gelungen
Gelungen hingegen die Titel gebenden Episoden: Wolf und Lamm, die ihre von der Natur vorgegebenen Rollen tauschen wollen und schlussendlich beide von einem Jäger erlegt werden. Gelungen auch ein Polaroid in der Sinnkrise. Stark die Jägerfamilie beim Geburtstagsfest von Tochter Schweinchen.
Die Phönix-Schauspieler Martin Brunnemann, Johanna Egger, Hanna Kogler, Karina Pele und Lukas Weiss lieferten unterstützt von der Statisterie eine formidable Ensembleleistung ab. Die Ausstattung von Tom Schellmann bot in Kombination mit Lichtdesign von Anselm Fischer und Musik von Mira Gregoric skurrile Einfälle und viele Details zum Schauen.
„Wölfe, Lämmer, Polaroids“ ist eine erfrischende Ode an das Theater, in die man nicht zu viel hineininterpretieren sollte. Je näher man sich dem Schauspiel verbunden fühlt, desto mehr konnte man den Abend genießen. Das Stammpublikum des Phönix war daher bei der Premiere am Donnerstag begeistert.
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