Ott-Prozess in Wien

Zeugin: Russische Spionage war „Studentenprojekt“

Gericht
19.02.2026 23:08
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Von krone.at

Am sechsten Verhandlungstag im Spionage-Prozess gegen den Ex-BVT-Chefinspektor Egisto Ott ist es vor allem um Beschattungsmaßnahmen gegangen, die von einem von London aus operierenden russischen Spionage-Ring in Wien durchgeführt wurden. Ein mutmaßliches Mitglied wurde am Donnerstag einvernommen. Die 49-jährige Bulgarin sprach von einem „Studentenprojekt“.

Fest steht, dass die 49-Jährige den bulgarischstämmigen Investigativ-Journalisten Christo Grozev observierte, der bis Februar 2023 in Wien lebte. Sie bespitzelte außerdem zwei ehemalige ranghohe BVT-Mitarbeiter und die Journalistin Anna Thalhammer. Das gab die 49-Jährige nun in ihrer Zeugenaussage zu. Sie habe bei einem „Studentenprojekt“ mitgemacht, gab die Bulgarin zu Protokoll. Die „Freundin einer Freundin“ habe sie dafür gewonnen. Bei dieser Frau handelt es sich um eine Landsfrau, die im März 2025 als Teil eines sechsköpfigen Spionage-Rings, von einem Geschworenengericht in London wegen Verschwörung zur Spionage für einen feindlichen Staat verurteilt wurde.

Europaweite Operationen unter der Führung Marsaleks
Angeführt wurde diese Zelle, die unter den Fittichen von Ex-Wirecard-Manager Jan Marsalek europaweit sechs Operationen durchführte, von Orlin R., der in London zehn Jahre und acht Monate Haft ausfasste, und seinem Stellvertreter Biser D., der unter den Pseudonymen „Mad Max“ und „Jean-Claude Van Damme“ agierte. Biser D. wurde in Großbritannien ebenfalls zu mehr als zehn Jahren Haft verurteilt.

Journalist wegen russlandkritischer Berichte überwacht
In Wien hatte die Gruppierung – wie von den britischen Strafverfolgungsbehörden sichergestellte Chats zwischen Marsalek und Orlin R. belegen – die „Operation Vienna“ am Laufen. Die Wohnung des für das Investigativ-Netzwerk „Bellingcat“ tätigen Christo Grozev, der in der Kaiserstraße in Wien-Neubau gemeldet war, wurde observiert, indem man vis-a-vis eine Wohnung angemeldet hatte. Dort wurden auf einem Fensterbrett Kameras so angebracht, dass der Eingangsbereich von Grozevs Wohnhaus praktisch rund um die Uhr überwacht werden konnte. Grozev hatte wiederholt russlandkritische Berichte veröffentlicht.

Er stand wegen seiner kritischen Berichte im Visier des russischen Geheimdienstes: der ...
Er stand wegen seiner kritischen Berichte im Visier des russischen Geheimdienstes: der Investigativjournalist Christo Grozev.(Bild: APA/Getty Images via AFP/GETTY IMAGES/Roy Rochlin)

„In der Wohnung wurde gefilmt“, räumte die bulgarische Zeugin ein. Ihre Aufgabe sei es gewesen, „die Speicherkarten zu wechseln und im Internet hochzuladen.“ Die Frage, ob sie wisse, wer die Inhalte erhalten habe, verneinte sie. Der Name Grozev sei gefallen, wobei ihr erklärt worden sei, dass dieser „wegen Korruption verfolgt ist.“ Sie sei „nur ein bis zwei Mal pro forma gegangen, weil ich Angst hatte, dass mich diese Leute beobachten.“ Dann habe sie aufgehört, versicherte die 49-Jährige, die in Wien als Ordinationshelferin beschäftigt war, wurde im Dezember 2024 wegen mutmaßlicher Beteiligung am geheimen Nachrichtendienst zum Nachteil der Republik Österreich festgenommen. Dem Antrag auf Verhängung der U-Haft wurde aber nicht Folge gegeben, das Landesgericht Wien setzte die Frau gegen gelindere Mittel wieder auf freien Fuß.

Was Ott vorgeworfen wird
Die Anklage wirft Egisto Ott vor, im November 2022 Vertretern des russischen Geheimdienstes einen sogenannten SINA-Laptop mit brisanten geheimdienstlichen Informationen eines EU-Staates überlassen zu haben, wofür er zumindest 20.000 Euro bekommen haben soll. Ott bestreitet das ebenso vehement wie die laut Anklage ebenfalls entgeltliche Übergabe von drei Diensthandys von ranghohen Mitarbeitern im Kabinett des bis Ende 2017 amtierenden Innenministers Wolfgang Sobokta (ÖVP).

Ott steht wegen nachrichtendienstlicher Tätigkeiten zugunsten Russlands, Amtsmissbrauch, Bestechlichkeit, Verletzung des Amtsgeheimnisses und weiterer Delikte vor Gericht. Er weist sämtliche gegen ihn gerichteten Vorwürfe kategorisch zurück.

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