Spikes ausverkauft

Glatteis-Blamage in Berlin wird immer absurder

Deutschland
31.01.2026 11:38
Porträt von krone.at
Von krone.at

Wer aktuell in Berlin weilt, läuft Gefahr, sich ordentlich „auf die Schnauze“ zu legen. Denn in Deutschlands Hauptstadt darf auf Gehwegen per Gesetz kein Streusalz verwendet werden. Die Folge: Volle Krankenhäuser – und blamable Bilder, die um die Welt gehen.

Seit Tagen sind durch tiefe Temperaturen die Gehwege in Berlin teilweise spiegelglatt. Unzählige Berliner haben seither Schwierigkeiten bei der Fortbewegung, stürzen teilweise schwer. Im Berliner BG Unfallkrankenhaus werden derzeit täglich 30 bis 40 Menschen nach „Glätteunfällen“ behandelt, berichtet etwa der „Spiegel“.

Die häufigsten Verletzungen sind dabei Knochenbrüche der Hände, aber auch Gehirnerschütterungen durch Stürze auf den Hinterkopf und Gesichts- und Hüftverletzungen. Eine Sprecherin des Krankenhauses empfiehlt ohne jeden Witz den „Pinguingang“, denn die Berliner konnten bisher keine Hilfe von der Stadtregierung erwarten. Aus Umweltschutzgründen – die „Krone“ berichtete.

Stadtregierung zeigt auf die Bevölkerung
Die blamablen Bilder von verletzten Passanten auf Berlins Straßen haben nach Tagen des Zauderns ein erstes Einlenken der Politik erwirkt. In Berlin dürfen nun kurzfristig Gehwege mit Tausalz gegen Glatteis gestreut werden, teilte Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) am Freitag mit. Trotz „rechtlicher Unsicherheiten“ wird betont.  

Der Naturschutzbund Nabu kündigte umgehend eine juristische Prüfung an, da Streusalz Trinkwasser gefährdet, Stadtbäume schädigt und Tierpfoten verätzt. Die Stadtregierung wolle aber trotzdem „zentral die Steuerung zur Bekämpfung der extremen und anhaltenden Glatteis-Situation“ übernehmen. Gleichzeitig warf Verkehrssenatorin Bonde Anrainern vor, sich nicht genug um den Winterdienst zu kümmern.

Allerdings: Bisher durften diese ja auch kein Streusalz verwenden, Splitt und Sand reichten aber häufig nicht aus. Jetzt droht den Berlinern gleich das nächste Problem. In Baumärkten gibt es das häufig gar nicht mehr – alles ausverkauft. Auch hierfür hat die Stadtregierung eine „Lösung“ parat: Die Bürger sollen nun mit Kochsalz und Geschirrspülsalz streuen, erklärte eine Sprecherin der Verkehrsverwaltung. Das sei ja auch ihre Aufgabe. 

Voll auf „die Schnauze“!
Voll auf „die Schnauze“!(Bild: EPA/FILIP SINGER)
In Berlin herrschen seit Tagen eisige Temperaturen.
In Berlin herrschen seit Tagen eisige Temperaturen.(Bild: EPA/CLEMENS BILAN)

Spikes sind ausverkauft
Wann die Stadtwerke bei der Enteisung unterstützen, ist jedoch nicht klar. Doch Not macht bekanntlich erfinderisch. Spikes für Schuhe sind in der Stadt mittlerweile ein rares Gut – und überall ausverkauft. „Also, wer noch welche hatte, hat sie jetzt nicht mehr im Laden“, erklärte der Geschäftsführer des Berliner Handelsverbands, Nils Busch-Petersen.

Im Berliner Glatteis-Chaos ist kein Ende in Sicht. 
Auf Nachschub ist kaum zu hoffen: Neue Ware innerhalb weniger Tage zu bekommen, sei nicht möglich. Auch er appellierte an die Bevölkerung: „Räumen und streuen. Wenn das alle ordentlich tun, dann brauchen wir keine Spikes.“ 

Die SPD kritisiert das Vorgehen scharf. Spitzenkandidat Steffen Krach sprach von einem Skandal: „Wegner (Berlins Bürgermeister Kai Wegner) und Bonde schauen seit Wochen tatenlos zu, während Berliner auf vereisten Wegen stürzen.“ Er fragte: „Hat sie von Beginn an wirklich alle Möglichkeiten geprüft? Das grenzt an einen Skandal.“

In der kommenden Woche dürften die Gehwege jedenfalls noch einmal deutlich wichtiger werden. Die Gewerkschaft Ver.di kündigte ab Montag bundesweite Streiks im Bus- und Bahnverkehr an. Die Wetterprognose lautet: Minusgrade – die ganze Woche ...

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