Wiener schildert Fall

Dramatisches Plus bei Betrug an Unternehmen

Wirtschaft
27.01.2026 05:50

Wirtschaftskriminalität explodierte seit 2015 regelrecht. Die Zahlen bei schwerem Betrug schnellten etwa um 139 Prozent in die Höhe. Es ist aber nicht immer der afrikanische Prinz, der um Geld bettelt. Die „Krone“ sprach mit einem Wiener Unternehmer, der auf 120.000 Euro sitzen blieb. 

Henryk Sojka etwa ist seit 30 Jahren Malermeister in Wien. Er lernte einen Immobilien-Zampano kennen, der – zumindest lauteten die Behauptungen so – in Österreich am laufenden Band Millionenprojekte abwickelte. Über Monate sind die Mitarbeiter Sojkas und auch Subfirmen an einer Baustelle in bester Wiener City-Lage beschäftigt. Sojka legt nach Vollendung des Baus Rechnungen über 300.000 Euro, auf 120.000 Euro davon bleibt er bis heute sitzen. Er stand mit seiner Firma beinahe vor dem Ruin.

Im Mittelpunkt großer Delikte sieht Datenanalyst Martin Geyer Aufwertungsgewinne. Das sind buchhalterische Gewinne, die entstehen, wenn der Wert eines Vermögensgegenstandes etwa mit einem Bewertungsgutachten nach oben korrigiert wird, ohne dass die zuvor bewerteten Immobilien auch tatsächlich verkauft wurden. „Es sind also nicht realisierte Gewinne“, so Geyer. Die mit einer Ausschüttungssperre belegt sind.

(Bild: Krone KREATIV/stock.adobe.com)

Durch Konstrukte, wie etwa durch den Verkauf innerhalb eines Konzerns, oder durch die Einbringung in eine andere Gesellschaft des Konzerns, gelten solche stillen Reserven als realisiert und ausschüttbar. Der Gesetzgeber ist gefordert: Mehr Personal und schnelle Einsatzgruppen seien unerlässlich. Die Ausschüttungssperre solle laut Geyer „etwas strenger gehandhabt werden“. 

Hausverstand der Unternehmen wichtig
Walter Strobl, Präsident des österreichischen Inkassoverbands, appelliert an den Hausverstand: „Wenn ein Geschäft zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es kritisch zu hinterfragen.“ Dazu dienen ein sauberes Forderungsmanagement, Bonitätsprüfungen, ein gezieltes Mahnsystem bis hin zur gerichtlichen Durchsetzung der aushaftenden Forderungen und die Blacklist des Finanzministeriums. 

Bei Zahlungsverzug stellen wir die Arbeiten für Kunden ein. Diese Erkenntnis haben wir uns sehr teuer erkauft.

Henryk Sojka, Malermeister mit 20 Mitarbeitern

Die dramatische Zunahme wird zu einem wachsenden Problem für die geschädigten Unternehmen und auch für die Allgemeinheit.

Martin Geyer, Gutachter und Forensiker

Wenn ein Geschäft zu gut klingt, um wahr zu sein, dann ist es kritisch zu hinterfragen.

Walter Strobl, Präsident österreichischer Inkassoverband

1257 Scheinfirmen aus dem Verkehr gezogen
Gegen Betrugsmaschen wie Identitätsdiebstahl bei Privatpersonen oder Scheinfirmen im Unternehmensbereich seien reguläre Maßnahmen oft erfolglos, so Strobl. Seit 2016 wurden 1257 Scheinfirmen eliminiert, seit 2015 explodiert generell die Wirtschaftskriminalität. Plus 128 Prozent bei Betrug, plus 139 gar bei schwerem Betrug sowie plus 95 Prozent bei Veruntreuung sprechen eine klare Sprache. Hier helfe laut Strobl nur, „das Bewusstsein zu schärfen, aus der Vollkaskomentalität herauszutreten und den Blickwinkel zu ändern“. 

Benjamin H. wurde verurteilt, konnte jedoch nach Dubai flüchten.
Benjamin H. wurde verurteilt, konnte jedoch nach Dubai flüchten.(Bild: Kerstin Wassermann)

Kärntner Millionenbetrüger: „Es dauert zu lange“
Zu oft würden Warnungen von Aufsichtsbehörden von Konsumenten nicht gehört, würden sich Opfer schämen. Und zu oft, so „Krone“-Cyberprofi Cornelius Granig, der in „Böses Geld“ über Wirtschaftskriminelle schrieb, würde es zu lange nach Bekanntwerden von Fällen dauern, bis Betrügern das Handwerk gelegt wird. Etwa beim Kärntner Millionenbetrüger Benjamin H., der Kunden mit „Exchange Wallets“ das Blaue vom Himmel versprochen hatte. Stattdessen schnappte er sich die 20 Millionen Euro. Er flüchtete im Spätherbst bei einem Hafturlaub und wird in Dubai vermutet.

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