Im nächsten Teil der „Krone“-Serie zu den Salzburger Olympia-Helden erinnert sich Alexandra Meissnitzer an ihre drei Medaillen im Zeichen der fünf Ringe. Schon im Alter von fünf Jahren wusste die Salzburgerin, wo es hingehen soll. Eine Sache bereut die Tennengauerin rückblickend aber ein wenig.
Im Alter von nur fünf Jahren ließ eine Abtenauerin namens Alexandra Meissnitzer – so ist es überliefert – mit einer sehr ambitionierten Aussage aufhorchen. „Ich werde Weltmeisterin“, soll das junge Mädchen damals gesagt haben. „Ich wollte das unbedingt machen, aber das braucht es auch“, blickt die Salzburgerin zurück. Der unbändige Wille zeichnet Meissnitzer bis heute aus, er half ihr aber auch in Zeiten, an denen nicht an sie geglaubt wurde.
Mit sieben Hundertstel Rückstand Dritte
„Ein Trainer hat einmal zu mir gesagt, dass ich nie einen Riesentorlauf gewinnen werde“, sagt die 52-Jährige. In deren Trophäensammlung neben einer Riesentorlauf-Kugel auch eine WM-Goldmedaille in dieser Disziplin zu finden ist. Und eine Silbermedaille von den Olympischen Spielen in Nagano 1998. „Ich werfe ihm aber gar nichts vor, sondern will damit nur zeigen, dass man weitermachen muss, wenn man an etwas glaubt“, betont Meissi. Ihr späterer Trainer Karl Frehsner sah in ihr wiederum eine Gesamtweltcupsiegerin – und sollte Recht behalten.
Ins Gedächtnis hat sich bei der Gewinnerin von 14 Weltcuprennen aber vor allem das erste Edelmetall im Zeichen der fünf Ringe gebrannt. „Wir sind nicht als Topfavoritinnen im Super-G nach Japan geflogen. Wir haben taktiert und sind mit Abfahrtsski gefahren, weil der Kurs so schnell war“, erzählt Meissnitzer. Am Ende fehlten ihr sieben Hundertstel auf Gold, sie wurde aber sogar Dritte. „Dennoch habe ich mich irrsinnig gefreut“, sagt sie.
„Da darf man auch traurig sein“
Wie auch wegen besagtem Silber wenige Tage später. „Die Größe und Faszination der Spiele mitzubekommen, was sich da alles abspielt – das ist etwas ganz Besonderes!“ Vor allem die Geschichte des Großereignisses hat es der Tennengauerin bis heute angetan. „Die Historie dahinter ist faszinierend. Genau so wie das Verbindende. Für deine Nation an den Start zu gehen, spielt da noch einmal eine deutlich größere Rolle.“
Das tat sie auch vier Jahre später in Park City. Diesmal aber ohne Edelmetall. Gleich zweimal wurde „Meissi“ Vierte. Der undankbarste Platz überhaupt. „Es gibt kein Rennen, wo Sieg und Niederlage so nah beieinander liegen, wie bei Olympia“, weiß die zweifache Österreichische Sportlerin des Jahres. Damals hatte sie im Vorfeld lange mit den Nachwirkungen einer schweren Verletzung zu kämpfen und nur mehr rund die Hälfte ihres normalen Umfangs trainieren können. Trotz der Vorgeschichte war sie vor allem eines: traurig. „Aber das darf man auch sein.“
Ich habe immer geglaubt, dass mich die Erfolge zum glücklichsten Menschen der Welt machen. Aber ich war nicht glücklicher.
Alexandra Meissnitzer
„Gold immer noch vermissen? Das wäre erbärmlich“
Vier Jahre darauf in Sestriere im Rahmen der Spiele in Turin war die Ausgangslage wieder eine andere. Im Super-G erkämpfte sie sich ihre dritte und letzte Olympia-Medaille ihrer Karriere. Am Ende blieb die so erfolgreiche Fahrerin aber ohne das erträumte Gold im Zeichen der fünf Ringe. Zwanzig Jahre nach Turin denkt sie manchmal noch drüber nach, was hätte sein können. „Aber vermissen tue ich es nicht. Das wäre auch schade. Ich habe ja gezeigt, dass ich es kann“, betont Meissnitzer.
Was die Abtenauerin, die seit einigen Monaten eine wichtiges Amt bei der FIS bekleidet, aber ein bisschen bereut? „Ich habe meine Erfolge nie für mich selber zelebriert. Ich konnte nie für meine Medaille weinen“, erklärt die 52-Jährige. Erst als TV-Kommentatorin für den ORF war es so weit: beim Olympiasieg von Anna Veith in Sotschi 2014: „Da sind mir Freundetränen in den Augen gestanden.“
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