Man muss nicht immer tief in die Tasche greifen, um imposante Gemälde daheim aufzuhängen; in der Kunstsammlung des Landes OÖ kann man sich Bilder sechs Monate lang ausborgen. Die „Krone“ begleitete ein Pärchen beim Aussuchen eines Werks für das neue Wohnzimmer. Insgesamt wurden im Vorjahr 754 Bilder und Zeichnungen entlehnt.
Es ist ein besonderer Tag für Georg Estermann (41, Suben) und Vanessa Magauer (28, Neustift im Mühlkreis). Er ist in der Versicherungsbranche tätig, Magauer ist Vertragsbedienstete, beide sind absolute Kunstfans.
Heute wollen sie sich ein Bild aus der Artothek der Kunstsammlung des Landes OÖ ausleihen. Dafür nehmen sie sich einen Vormittag Zeit.
Kunst bis auf die nackte Haut
Warum Kunst? Estermann: „Ich schaue mir gerne Ausstellungen an – das entschleunigt mich.“ Magauer gesteht: „Mich auch, ich kann in Bildern versinken. Und ehrlich gesagt: Ich male auch selbst.“
Für die „Krone“ krempelt das Pärchen sogar die Ärmel hoch: Sie trägt Gustav Klimts „Der Kuss“ am Oberarm als farbiges Tattoo, er zeigt eine grazile, meditative, fernöstlich wirkende Komposition.
Nun sieht sich das Paar in den Kojen um
„Wir wollen ein Werk finden, das uns beiden sehr gut gefällt.“ Das ist nicht so leicht, denn jeder hat einen eigenen Geschmack.
„Man lernt neue Seiten des anderen kennen“
Ihm sagt ein Elefantenbild zu, ihr eines in kräftigen Farben. Nein, vielleicht doch etwas in Rottönen? Sie wollen sich für die Auswahl Zeit lassen.
Was jetzt schon zu spüren ist: „Das gemeinsame Aussuchen – das ist wirklich spannend und schön!“ Jetzt gehen sie weiter zur nächsten Koje. Und dann, ja dann: „Wir haben uns doch auf das Elefantenbild von Claudia Steiner geeinigt.“ Es wird ein halbes Jahr im neuen Haus für eine besondere Atmosphäre sorgen.
Insgesamt stehen 1000 Werke in der Artothek des Landes zum Ausborgen bereit.
Eine „offene Sammlung“ für die Menschen
„Unsere Kundinnen und Kunden wissen, dass die Bilder einen Wert haben“, sagt Maria Reitter-Kollmann, Leiterin der Kunstsammlung. „Die Bildleihen werden gut begleitet, die Vorgaben eingehalten. Schadensfälle sind sehr, sehr selten.“
Für sie persönlich hat die Artothek eine wichtige Brückenfunktion: „Wir zeigen damit, dass wir als Kunstsammlung für die Bevölkerung da sind – und mit Herzblut für die Kunstvermittlung.“