Neues Studioalbum

Robbie Williams: Eine Menge Brit und dazu noch Pop

Musik
28.01.2026 06:00
Porträt von Wien Krone
Von Wien Krone

Zuerst wollte er der Veröffentlichung von Taylor Swift entkommen, dann offensichtlich sich selbst – wie sinnvoll es ist, dass Robbie Williams sein lang erwartetes Studioalbum „Britpop“ drei Wochen vor dem physischen Release schon digital veröffentlicht, kann diskutiert werden. Es ist nun aber so – und klingt keinesfalls schlecht.

kmm

Superstar Taylor Swift ist schuld. Angekündigt hatte Robbie Williams sein neues Album schon im Mai 2025 – ursprünglich sollte es im Oktober erscheinen. Aber da erschien Swifts „The Life Of A Showgirl“, mit dem Williams nicht konkurrieren wollte, wie er später offen zugab. Darum verschob er sein Album auf Februar 2026. Doch dabei blieb es auch nicht. Jetzt ist „Britpop“ überraschend drei Wochen früher auf dem Markt.

Früher Vorgeschmack
„Ihr dachtet, es käme dann, dann haben wir anders entschieden“, verkündete Williams auf seinem Instagram-Account, „und jetzt habe ich entschieden, dass es jetzt kommt“. Einen Vorgeschmack gaben im vergangenen Jahr vier Singles und ein paar handverlesene Konzerte in kleinen britischen Clubs, bei denen Williams, der sonst Stadien füllt, „Britpop“ in voller Länge performte.

Das Albumcover zeigt ein Gemälde von Robbie Williams, wie er Mitte der 90er-Jahre, kurz nach seinem Ausstieg bei Take That aussah. Denn dahin wollte der 51-Jährige musikalisch zurück. „Ich hatte mir vorgenommen, das Album zu machen, das ich nach meinem Ausstieg bei Take That im Jahr 1995 schreiben und veröffentlichen wollte“, sagte Williams zur Albumankündigung. „Es war die Hochphase des Britpop und ein goldenes Zeitalter für britische Musik.“

Ausflug in den Rock
Die erste Single, zugleich Eröffnungstrack des Albums, hat jedoch wenig mit Britpop zu tun. „Rocket“ ist ein simpler, aber packender Hardrock-Song, an dem der legendäre Heavy-Metal-Gitarrist Tony Iommi von Black Sabbath mitwirkt. Der Background-Gesang stammt vom einstigen Deep-Purple-Bassisten und Sänger Glenn Hughes. „Auf diesem Album habe ich mit einigen meiner Helden gearbeitet“, sagte Williams.

Erst dann geht‘s los mit dem Britpop – mit „einer Menge Brit“ und „ganz sicher auch Pop“, wie der Popstar selbst sagt. „Spies“, „Pretty Face“ oder „All My Life“ sind tatsächlich unverkennbar die Rückkehr zum Robbie-Williams-Stil der 90er-Jahre. Das ist nicht originell, aber eingängig. In der Zeit von „Cool Britannia“ tauschte er den Boyband-Sound gegen etwas ein, das mehr – wenn auch nicht ganz – nach Oasis klang, als nach den erhebenden Popsongs aus Gary Barlows Feder.

Fintenreiche Spitze
Barlow, mit dem sich Williams damals zerstritten, aber längst versöhnt hat, war als Songwriter an einem kuriosen Song beteiligt. „Morrissey“ klingt wie ein Loblied auf den für geniale Musik ebenso wie für Kontroversen berühmten Sänger. „Ich habe es aus der Sicht eines Stalkers geschrieben, jemand, der total besessen von ihm und verliebt in ihn ist“, stellte Williams klar, dem nachgesagt wird, er würde Morrissey optisch immer ähnlicher.

Wer gedacht hatte, dass der begnadete Entertainer nach seinem größten Karriereflop „Rudebox“ dem Hip-Hop fernbleibt, hat sich geirrt. Leider. Denn „Bite Your Tongue“ zeigt einmal mehr, warum er das Rappen lassen sollte. Es klingt einfach zu albern. Seltsamerweise hat der Refrain hohe Ähnlichkeit mit „Rocket“. Mit Unterstützung von Supergrass-Frontmann Gaz Coombes singt der 51-Jährige das eindeutig Glamrock-inspirierte „Cocky“. „Human“ ist eine Kollaboration mit dem Latin-Pop-Duo Jesse & Joy – seichter, melancholischer Pop, jedoch ohne hörbaren Latin-Einschlag.

Eiskaltes Veröffentlichungskalkül
Mit orchestraler Begleitung, harmonischen Streichern und „Lalala“-Chorgesang erinnert „It‘s OK Until The Drugs Stop Working“ augenzwinkernd an die schwungvollen, opulenten Pop-Hymnen der 60er- und 70er-Jahre von Neil Diamond, Tony Christie oder Engelbert Humperdinck. Williams Hauptgrund, das Chartduell mit Taylor Swift zu meiden, war seine Hoffnung, dass er mit „Britpop“ – Best-Of-Compilations und den Soundtrack zu seinem Biopic „Better Man“ eingerechnet – zum 16. Mal die britischen Albumcharts toppt. Das erwähnte der britische Sänger mehrmals. Damit würde er die Beatles überholen. Derzeit haben beide 15 Nummer-Eins-Alben.

„Britpop“ ist ein solides Werk. Williams‘ Rückkehr zum 90er-Jahre-Sound ist geglückt. Viele Songs hätten auch auf sein Debüt „Life Thru A Lens“ gepasst. Seine Aussage, „Britpop“ sei das Album, das er damals habe machen wollen, irritiert allerdings etwas. Schließlich enthielt der Millionenseller „Life Thru A Lens“ Megahits wie „Angels“, „Let Me Entertain You“ und „Old Before I Die“. Diesem Vergleich kann „Britpop“ nicht standhalten.

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