Vorwurf der Täuschung

Signa-Mitarbeiter zeigen Benko und Ex-Chefs an

Wirtschaft
20.01.2026 20:50

Mehr als 20 ehemalige Mitarbeiter der Signa-Gruppe haben bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) eine umfassende Strafanzeige eingebracht. Der Kernvorwurf lautet: „Systematische Täuschung“. Die „Krone“ kennt die Hintergründe.

Die Ex-Mitarbeiter werfen ehemaligen Entscheidungsträgern des  Pleite-Konzerns vor, im Rahmen des Mitarbeiterbeteiligungsprogramms systematisch getäuscht, Rückzahlungen verweigert und einzelne Personen gezielt bevorzugt zu haben. Der geltend gemachte Schaden beläuft sich derzeit auf rund 2,8 Millionen Euro.

Der zentrale Vorwurf
Mitarbeiter und externe Projektpartner konnten sich über ein Treuhandmodell an der Signa Prime Selection AG beteiligen. Ein freier Verkauf der Aktien war vertraglich ausgeschlossen. Die einzige realistische Ausstiegsmöglichkeit bestand darin, die Aktien über eine sogenannte Put-Option an die Signa-Gesellschaften zurück zu verkaufen – zu einem offiziell ausgewiesenen Unternehmenswert (Net Asset Value, NAV). 

Obwohl zahlreiche Beteiligte ihre Put-Optionen in den Jahren 2022 und 2023 ordnungsgemäß ausgeübt hatten, blieben die vertraglich zugesicherten Auszahlungen aus. Zugleich sollen andere Personen – insbesondere Führungskräfte oder dem Management nahestehende Personen – ihre Aktien sehr wohl, und teilweise noch kurz vor der Insolvenz, zu Geld gemacht haben.

Laut der Strafanzeige, die der „Krone“ und „News“ vorliegt, war der Signa-Gruppe bereits ab 2022 bekannt, dass sich zentrale Gesellschaften in einer massiven wirtschaftlichen Krise befanden und faktisch zahlungsunfähig waren. Diese Information sei gegenüber den Mitarbeiter-Aktionären jedoch bewusst verschwiegen worden, um Panik und massenhafte Rückverkaufsforderungen zu verhindern.

Selektive Auszahlungen und ein Bettelbrief
Besonders schwer wiegt der Vorwurf, dass im Jahr 2023 noch rund 2,8 Millionen Euro an einzelne, ausgewählte Personen ausbezahlt wurden, während der Großteil der Beteiligten leer ausging. Laut „Krone“-Recherchen soll der langjährige Signa-Holding-Chef Marcus „Unterschriften-August“ Mühlberger wenige Wochen vor der Pleite noch eine stattliche sechsstellige Summe eingestreift haben. Auch Ex-Casinos-Chef und Signa-Aufsichtsrat Karl Stoss kassierte nach einem „Bettelbrief“ an Signa-Grüner René Benko eine knappe Million Euro ab.

Namentlich genannt werden in der Strafanzeige mehrere ehemalige Geschäftsführer und Organträger der Signa-Gesellschaften, darunter Mühlberger und sein Co-Chef in der Signa-Holding, Christoph Stadlhuber. Zudem wird beantragt, auch die Rolle von René Benko, der laut Insidern und Ermittlern als möglicher faktischer Entscheidungsträger gilt, umfassend zu prüfen. Nach Aussagen mehrerer Beteiligter seien wesentliche Rückkaufs- und Auszahlungsentscheidungen zumindest unter Benkos Kenntnis erfolgt. Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung.

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