Wohnungen für Opfer

Gewalt gegen Frauen: Projekt „Noah“ gibt Hoffnung

Tirol
19.01.2026 18:00

Gewalt an Frauen ist nach wie vor ein massives Problem. Das zeigen unter anderem auch die jüngsten Frauenmorde in Österreich. In Tirol wird das Hilfsangebot nun weiter ausgebaut – neun Übergangswohnungen werden errichtet. Die „Krone“ kennt sämtliche Details.

Der gemeinnützige Bauträger Tigewosi errichtet derzeit neun betreute Wohneinheiten für bedürftige Menschen in Innsbruck. Der Bauverlauf ging bisher problemlos vonstatten, am Montag konnte somit die Firstfeier ausgerichtet werden. Hinter diesem Projekt „Noah“, wie es auch genannt wird, steckt viel mehr. Zukünftig werden diese Wohnungen vom Verein „Frauen helfen Frauen“ betreut. Was bedeutet das?

In Tirol gibt es vier Frauenhäuser: lilawohnt im Unterland, das Tiroler Frauenhaus im Oberland und in Innsbruck sowie das von der Initiative „Frauen helfen Frauen“ betriebene Frauenhaus in Innsbruck. Sie bieten Schutz für Frauen und Kinder, wenn das eigene Zuhause kein sicherer Ort mehr ist.

Übergangswohnungen für Betroffene
Nach dem Aufenthalt im Frauenhaus stehen zahlreiche weibliche Betroffene vor einer weiteren Hürde: dem Weg in ein eigenständiges Leben. Und genau hier kommen die von der Tigewosi zur Verfügung gestellten Einheiten zum Einsatz: Sie dienen als Übergangswohnungen für schutzbedürftige Frauen samt Kinder und ergänzen das bestehende Angebot zwischen Frauenhaus und eigenständigem Wohnen. Familien erhalten die Möglichkeit, für ein bis zwei Jahre eine Wohnsituation zu sichern und die Grundlage für eine nachhaltige Neuorientierung zu schaffen.

In Tirol gibt es verschiedene Stellen, die weiterhelfen.
In Tirol gibt es verschiedene Stellen, die weiterhelfen.(Bild: APA/MAX HERBST)

Hilfe bei vielen Belangen wartet auf die Frauen
Ein zentrales Element ist dabei das Betreuungskonzept. Dieses umfasst sowohl Unterstützung bei sozialen Belangen als auch Hilfe im Alltag. Dazu zählen die Begleitung bei Kontakten mit dem AMS, die Beantragung von Mindestsicherung und Beihilfen sowie die Vermittlung von Soforthilfen.

Darüber hinaus werden die Frauen bei der Suche nach Kinderbetreuung, Nachhilfeangeboten sowie Ferienprojekten unterstützt und bei Arztbesuchen begleitet. Ziel all dieser Maßnahmen ist es vor allem, die Handlungsfähigkeit und Selbstwirksamkeit der Frauen zu stärken und ihre soziale Teilhabe nachhaltig zu fördern.

Tipps und Nummern für Notfall
So kann man Betroffenen helfen

Jede dritte Frau in Österreich ist im Laufe ihres Lebens von Gewalt betroffen. Diese beginnt oft lange, bevor sie sichtbar wird – Warnzeichen können sich etwa durch Rückzug, Angst, Kontrolle oder fehlende Entscheidungsfreiheit zeigen. Wer bei einer Freundin, Kollegin oder Nachbarin Anzeichen von Gewalt bemerkt, kann helfen – auch ohne alles zu wissen oder „richtig“ zu machen.

  • Die Thematik ansprechen, zuhören, einfühlsam sein und Verständnis zeigen.
  • Auf Hilfsangebote wie zum Beispiel Mädchen- und Frauenberatungsstellen, Frauenhäuser und Gewaltschutzzentren hinweisen.
  • Geduld haben, zu nichts drängen – aber dranbleiben.

Notrufnummern für den Ernstfall

  • Polizei: 133
  • Frauenhelpline: 0800/222 555; die Männerinfo hingegen: 0800/400 777
  • Gewaltschutzzentrum Tirol: 0512/571313
  • Tiroler Frauenhaus: 0512/342112
  • „Frauen helfen Frauen“: 0512/580977
  • Lilawohnt: 0512/562477

„Gewalt an Frauen ist ein gesellschaftliches Problem – auch in Österreich. Hilfe muss für Betroffene verlässlich und niederschwellig erreichbar sein“, betont Soziallandrätin Eva Pawlata (SPÖ) und führt weiter aus: „Gleichzeitig steht der öffentliche Haushalt unter Druck. Dennoch ist es gelungen, das Angebot zu halten und punktuell auszubauen. Das Land Tirol hält die Finanzierung der Frauenhäuser auf hohem Niveau: Rund zwei Millionen Euro fließen Jahr für Jahr in den Opferschutz.“

Finanzielle Hilfe durch Land und Stadt
Zusätzlich werden die Frauenhäuser im laufenden Jahr mit weiteren 150.000 Euro unterstützt. Damit können zum Beispiel diese neuen Wohnungen geschaffen werden. Hier beteiligt sich auch die Stadt Innsbruck finanziell. Das heißt konkret: zwei Drittel der Kosten übernimmt das Land Tirol (sechs Wohnungen) und ein Drittel die Stadt Innsbruck (drei Wohnungen).

Daten und Fakten

  • Das Projekt „Noah“ entsteht in der Dr. Stumpf-Straße 140 in Innsbruck. Montagnachmittag erfolgte die Firstfeier, Ende Mai 2026 soll das Projekt fertiggestellt sein und übergeben werden.
  • Die Baukosten belaufen sich auf rund 1,7 Millionen Euro netto – 966.000 Euro beträgt die Wohnbauförderung des Landes Tirol sowie der Zweckzuschuss.
  • Mit der Planung wurde Prenner Walter u. Mitges. Innsbruck betraut, die Baumeisterarbeiten führt die Firma Huter & Söhne durch. Für die Statik zeichnet Peter Stippler verantwortlich, für die HSL-Planung hingegen das Büro Pratzner GmbH und für die Elektroplanung die ETP – Elektrotechnik Planungs GmbH.

„Derartige Vorhaben können immer nur dann entstehen, wenn viele Akteurinnen und Akteure gemeinsam an einem Strang ziehen“, sagt Verena Piegger, Obfrau der Initiative „Frauen helfen Frauen“.

Und Florian Rangger, Technischer Geschäftsführer der Tigewosi, erklärt: „Klein, aber fein – neun Wohneinheiten zur Stärkung der sozialen Infrastruktur. Die Tigewosi tritt als starker Partner in allen Lebenslagen und für alle Projektgroßen ein.“

„Jüngste Fälle zeigen, wie massiv Problem ist“
Laut Soziallandesrätin Pawlata benötige es zusätzlich auch ein breiteres gesellschaftliches Bewusstsein für Gewalt an Frauen. „Die jüngsten Fälle von Frauenmorden zeigen klar, wie massiv dieses Problem ist. Gewalt an Frauen beginnt jedoch viel früher. Warnzeichen zu erkennen und ernst zu nehmen, ist eine Aufgabe für uns alle.“

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