Gewalt an Frauen ist nach wie vor ein massives Problem. Das zeigen unter anderem auch die jüngsten Frauenmorde in Österreich. In Tirol wird das Hilfsangebot nun weiter ausgebaut – neun Übergangswohnungen werden errichtet. Die „Krone“ kennt sämtliche Details.
Der gemeinnützige Bauträger Tigewosi errichtet derzeit neun betreute Wohneinheiten für bedürftige Menschen in Innsbruck. Der Bauverlauf ging bisher problemlos vonstatten, am Montag konnte somit die Firstfeier ausgerichtet werden. Hinter diesem Projekt „Noah“, wie es auch genannt wird, steckt viel mehr. Zukünftig werden diese Wohnungen vom Verein „Frauen helfen Frauen“ betreut. Was bedeutet das?
In Tirol gibt es vier Frauenhäuser: lilawohnt im Unterland, das Tiroler Frauenhaus im Oberland und in Innsbruck sowie das von der Initiative „Frauen helfen Frauen“ betriebene Frauenhaus in Innsbruck. Sie bieten Schutz für Frauen und Kinder, wenn das eigene Zuhause kein sicherer Ort mehr ist.
Übergangswohnungen für Betroffene
Nach dem Aufenthalt im Frauenhaus stehen zahlreiche weibliche Betroffene vor einer weiteren Hürde: dem Weg in ein eigenständiges Leben. Und genau hier kommen die von der Tigewosi zur Verfügung gestellten Einheiten zum Einsatz: Sie dienen als Übergangswohnungen für schutzbedürftige Frauen samt Kinder und ergänzen das bestehende Angebot zwischen Frauenhaus und eigenständigem Wohnen. Familien erhalten die Möglichkeit, für ein bis zwei Jahre eine Wohnsituation zu sichern und die Grundlage für eine nachhaltige Neuorientierung zu schaffen.
Hilfe bei vielen Belangen wartet auf die Frauen
Ein zentrales Element ist dabei das Betreuungskonzept. Dieses umfasst sowohl Unterstützung bei sozialen Belangen als auch Hilfe im Alltag. Dazu zählen die Begleitung bei Kontakten mit dem AMS, die Beantragung von Mindestsicherung und Beihilfen sowie die Vermittlung von Soforthilfen.
Darüber hinaus werden die Frauen bei der Suche nach Kinderbetreuung, Nachhilfeangeboten sowie Ferienprojekten unterstützt und bei Arztbesuchen begleitet. Ziel all dieser Maßnahmen ist es vor allem, die Handlungsfähigkeit und Selbstwirksamkeit der Frauen zu stärken und ihre soziale Teilhabe nachhaltig zu fördern.
Jede dritte Frau in Österreich ist im Laufe ihres Lebens von Gewalt betroffen. Diese beginnt oft lange, bevor sie sichtbar wird – Warnzeichen können sich etwa durch Rückzug, Angst, Kontrolle oder fehlende Entscheidungsfreiheit zeigen. Wer bei einer Freundin, Kollegin oder Nachbarin Anzeichen von Gewalt bemerkt, kann helfen – auch ohne alles zu wissen oder „richtig“ zu machen.
Notrufnummern für den Ernstfall
„Gewalt an Frauen ist ein gesellschaftliches Problem – auch in Österreich. Hilfe muss für Betroffene verlässlich und niederschwellig erreichbar sein“, betont Soziallandrätin Eva Pawlata (SPÖ) und führt weiter aus: „Gleichzeitig steht der öffentliche Haushalt unter Druck. Dennoch ist es gelungen, das Angebot zu halten und punktuell auszubauen. Das Land Tirol hält die Finanzierung der Frauenhäuser auf hohem Niveau: Rund zwei Millionen Euro fließen Jahr für Jahr in den Opferschutz.“
Finanzielle Hilfe durch Land und Stadt
Zusätzlich werden die Frauenhäuser im laufenden Jahr mit weiteren 150.000 Euro unterstützt. Damit können zum Beispiel diese neuen Wohnungen geschaffen werden. Hier beteiligt sich auch die Stadt Innsbruck finanziell. Das heißt konkret: zwei Drittel der Kosten übernimmt das Land Tirol (sechs Wohnungen) und ein Drittel die Stadt Innsbruck (drei Wohnungen).
„Derartige Vorhaben können immer nur dann entstehen, wenn viele Akteurinnen und Akteure gemeinsam an einem Strang ziehen“, sagt Verena Piegger, Obfrau der Initiative „Frauen helfen Frauen“.
Und Florian Rangger, Technischer Geschäftsführer der Tigewosi, erklärt: „Klein, aber fein – neun Wohneinheiten zur Stärkung der sozialen Infrastruktur. Die Tigewosi tritt als starker Partner in allen Lebenslagen und für alle Projektgroßen ein.“
„Jüngste Fälle zeigen, wie massiv Problem ist“
Laut Soziallandesrätin Pawlata benötige es zusätzlich auch ein breiteres gesellschaftliches Bewusstsein für Gewalt an Frauen. „Die jüngsten Fälle von Frauenmorden zeigen klar, wie massiv dieses Problem ist. Gewalt an Frauen beginnt jedoch viel früher. Warnzeichen zu erkennen und ernst zu nehmen, ist eine Aufgabe für uns alle.“
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.