Vier Jahrzehnte nach seinem Abbruch von der Antarktis steht einer der größten und langlebigsten Eisberge der Erdgeschichte offenbar vor seinem endgültigen Ende. Neue Satellitenaufnahmen zeigen deutliche Zeichen des Zerfalls von Eisberg A23a, der einst als größter Eisberg der Welt galt. Sowohl die europäische Raumfahrtbehörde ESA als auch die US-Raumfahrtbehörde NASA berichten von fortschreitender Auflösung in zunehmend warmen Gewässern des Südatlantiks.
Eine aktuelle, ungewöhnlich wolkenfreie Aufnahme des Satelliten Sentinel-2 aus dem europäischen Erdbeobachtungsprogramm Copernicus dokumentiert großflächige hellblaue Bereiche auf der Oberfläche von A23a. Dabei handelt es sich laut ESA um Schmelzwasserbecken – ein klares Anzeichen für einen rasch fortschreitenden Zerfallsprozess.
Ähnliche Beobachtungen machte auch die NASA mit dem MODIS-Instrument an Bord des Terra-Satelliten: Aufnahmen vom Dezember 2025 zeigen ausgedehnte Pools aus blauem Schmelzwasser auf dem Eisberg.
A23a war 1986 vom antarktischen Filchner-Ronne-Schelfeis abgebrochen und maß damals rund 4000 Quadratkilometer. Jahrzehntelang lag der Eisberg am Meeresboden des Weddellmeeres fest, ehe er sich Anfang der 2020er-Jahre endgültig löste. Nach mehreren Phasen des Stillstands, unter anderem in einem rotierenden Meereswirbel, begann er seine Drift nach Norden und verließ im November 2023 rasch die antarktischen Gewässer.
Drei Viertel seiner Fläche verloren
Inzwischen befindet sich der Eisberg im Südatlantik. Am 20. Dezember wurde er rund 150 Kilometer nordwestlich der Insel Südgeorgien beobachtet, umgeben von zahlreichen kleineren Eisfragmenten. Nach Angaben der ESA misst A23a derzeit nur noch etwa 1000 Quadratkilometer und hat damit rund drei Viertel seiner ursprünglichen Fläche verloren. Schätzungen des US National Ice Center bezifferten seine Fläche Anfang Jänner 2026 auf etwa 1182 Quadratkilometer.
Schmelzwasser wird zu schwer für Giganten
Wissenschaftler erklären den fortschreitenden Zerfall mit den höheren Meerestemperaturen und Wetterbedingungen in nördlicheren Breiten. Laut NASA liegt der Eisberg bereits in etwa drei Grad Celsius warmem Wasser und wird von Strömungen weiter in noch wärmere Regionen getragen.
Die auf den Satellitenbildern sichtbaren „blauen Brei-Zonen“ entstehen demnach, weil das Gewicht des Schmelzwassers Risse im Eis aufweitet und neue Bruchstellen erzeugt. Auch sogenannte „Blowouts“, bei denen Schmelzwasser durch den Eisberg nach unten austritt, wurden beobachtet.
Weitere Eisberge in Driftbewegung
Dass große Eisberge in diesen Gewässern zerfallen, gilt als nicht ungewöhnlich. Dennoch gilt A23a unter Forschern als besonderer Fall, da er zu den größten und am längsten verfolgten Eisbergen zählt. Experten gehen davon aus, dass der Eisberg nur noch Tage oder Wochen bestehen könnte und den Südsommer voraussichtlich nicht überdauern wird.
Während A23a seinem Ende entgegentreibt, befinden sich weiterhin mehrere andere große antarktische Eisberge entlang der Küste oder in Driftbewegung. Doch der Zerfall von A23a markiert das absehbare Ende einer außergewöhnlich langen und viel beobachteten Reise durch den Südozean.
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