Tirols IV-Boss Kloger:

„Keine Delle, sondern De-Industrialisierung“

Tirol
05.01.2026 18:30

Die Industriellenvereinigung Tirol lud traditionell zum Neujahrsempfang. In seiner Rede rechnete Präsident Max Kloger auch vor, wie viele Arbeitsplätze durch teils hausgemachte Probleme seit 2023 schon verloren gegangen sind.

Kein Blatt vor den Mund nahm sich am Montagabend Max Kloger, Präsident der Tiroler Industriellenvereinigung (IV), beim Neujahrsempfang im Salzlager in Hall. „Wir müssen aufhören, uns die Lage schönzureden. Die Rezession mag statistisch vorbei sein, aber die Realität in den Betrieben spricht eine andere Sprache.“ Seine mahnenden Worte unterstrich der IV-Boss mit eindeutigen Zahlen.

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In Deutschland zahlt der Finanzminister den Ökostrom-Ausbau, in Österreich zahlen ihn die Betriebe über die Stromrechnung. Das ist eine  Wettbewerbsverzerrung.

Max Kloger

2500 Arbeitsplätze in kürzester Zeit weg
Alleine seit dem dritten Quartal 2023 sind in der Tiroler Industrie mehr als 2500 Arbeitsplätze verloren gegangen. „Das ist keine Konjunkturdelle, sondern das ist De-Industrialisierung in Echtzeit“, brachte es Kloger auf den Punkt. Und er rief in Erinnerung, dass man schon seit vielen Jahren vor einer Abwanderung warnen würde. Jetzt sei diese eingetreten. 

Der Verlust der Arbeitsplätze liege nicht etwa an einer mangelnden Qualität der Produkte, „wir verlieren sie, weil wir schlicht zu teuer geworden sind“.

IV-Tirol-Vizepräsident Simon Meinschad, Landesrätin Cornelia Hagele, Landesrat Mario Gerber, ...
IV-Tirol-Vizepräsident Simon Meinschad, Landesrätin Cornelia Hagele, Landesrat Mario Gerber, IV-Tirol-Vizepräsidentin Gabriele Punz-Praxmarer, IV-Tirol-Präsident Max Kloger, Landesrätin Eva Pawlata, IV-Tirol-Vizepräsident Karlheinz Wex, Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler und IV-Tirol-Vizepräsident Holger König (von links).(Bild: IV Tirol / Oss)

Entwicklung der Lohnstückkosten einer der Indikatoren
Schuld daran seien mehrere Faktoren. Ein entscheidender Indikator liege in der Entwicklung der Lohnstückkosten: „Während diese in Österreich seit 2016 um 34,6 Prozent gestiegen sind, konnte die Produktivität im selben Zeitraum nur um 5,1 Prozent zulegen“, rechnete Kloger vor und analysierte weiter, dass „die hohen Standortkosten die Margen der Betriebe auffressen. Damit fehlt das Eigenkapital für Investitionen in neue Anlagen.“

Die Folge daraus sei eine Abwärtsspirale: „Wir investieren zu wenig, der Maschinenpark altert und wir fallen bei der Produktivität weiter zurück, während die Kosten weiterhin steigen.“ 

Bürokratie-Monster und Energie weitere Belastung
Einen weiteren Faktor ortet Kloger beim Energie-Thema. „In Deutschland zahlt der Finanzminister den Ökostrom-Ausbau, in Österreich zahlen ihn die Betriebe über die Stromrechnung. Das ist eine massive Wettbewerbsverzerrung. Wir fordern Waffengleichheit bei den Systemkosten. Wenn der Nachbar beinahe 30 Milliarden Euro mobilisiert, um seine Industrie zu entlasten, kann Österreich nicht tatenlos zusehen.“

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Nur mit einer wettbewerbsfähigen Industrie generieren wir jenes Wachstum, das für den Wohlstand wichtig ist.

Max Kloger

Nicht zuletzt leide der Standort weiter unter einem selbst verursachten Problem. Denn mit Bürokratiekosten von rund 15 Milliarden Euro jährlich leiste sich Österreich einen der teuersten Verwaltungsapparate in Europa. Der IV-Boss hofft diesbezüglich auf den Tirol Konvent, der bekanntlich den Abbau von bürokratischen Hürden vorsieht.

Neujahrsempfang im Salzlager Hall
Neujahrsempfang im Salzlager Hall(Bild: Jasmin Steiner)

„Produktivitäts-Turbo zünden“
Abschließend meinte Kloger, dass „wir den Produktivitäts-Turbo zünden müssen“ und nahm die Bundesregierung in die Pflicht. Diese müsse mit der neuen Industriestrategie beweisen, dass sie den Ernst der Lage erkannt habe. „Denn nur mit einer wettbewerbsfähigen Industrie generieren wir jenes Wachstum, das für den Wohlstand wichtig ist.“

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