Verkauf ins Ausland?

Junge wollen seltener den Elternbetrieb übernehmen

Oberösterreich
07.01.2026 11:20

Kinder ziehen sich zunehmend aus Unternehmerfamilien zurück – nur noch etwas mehr als die Hälfte der Betriebe werden innerhalb der Familie übergeben. Ein Risiko für Standort und Jobs, warnt der Linzer Personalvermittler Christian Hener.

Es ist oft ein Knackpunkt: Der Chef oder die Chefin geht in Pension und muss den Betrieb übergeben – doch an wen? „Für den Wirtschaftsstandort ist es enorm wichtig, dass die Nachfolge ordentlich geregelt ist“, sagt Christian Hener, Geschäftsführer des auf Führungskräfte spezialisierten Personalvermittlers EO Executives in Linz. „Wenn alles ins Ausland verkauft wird, ist es leicht, Arbeitsplätze abzuziehen.“ Bleibe eine Firma hingegen in Familienbesitz, bleiben auch Jobs und Standort eher erhalten – „weil die Familie ja einen gewissen Stolz hat“.

Vor der Herausforderung der Übergabe stehen jedenfalls immer mehr Unternehmen: Wurden 2020 bundesweit noch 6357 Betriebe übergeben, waren es zuletzt schon 7792 – siehe Grafik.

(Bild: Krone KREATIV/stock.adobe.com)

Nur mehr 55 Prozent der Firmen bleiben in Familie
Nicht nur die Anzahl der Betriebsübergaben steigt, auch ihre Art verändert sich: „Früher wurden gefühlt 75 Prozent innerhalb der Familie übergeben. Das entspricht heute nicht mehr der Realität“, sagt Hener. Seine Einschätzung deckt sich mit einer Studie der KMU Forschung Austria: Demnach zeigt sich ein Trend zu externen Übergaben, familieninterne Nachfolgen machen nur mehr 55 Prozent aus. Das Leben als Unternehmer sei stark dem Betrieb und weniger der Freizeit gewidmet – ein solches Leben könnten sich immer weniger Junge vorstellen, begründet Hener diese Entwicklung.

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Früher wurden gefühlt 75 Prozent der Unternehmen innerhalb der Familie übergeben. Das entspricht heute aber nicht mehr der Realität.

Christian Hener, Geschäftsführer des auf Führungskräfte spezialisierten Personalvermittlers EO Executives in Linz

Woran Übergaben scheitern können
Wie gelingt dennoch eine gute Übergabe des Betriebs? Entscheidend sei, „dass sich der Übernehmer und der Übergeber auf einer menschlichen Basis verstehen“, sagt Personalvermittler Hener.

Szenarien für Betriebsübergaben

Christian Hener nennt drei mögliche Szenarien für Betriebsübergaben:

Erstens: Ein Nachfolger steht bereit.

Die zweite Option sei: „Ein Nachfolger ist noch nicht da, aber in Aussicht, zum Beispiel ein Enkel“ – in solchen Fällen brauche es eine Übergangslösung wie eine Familienstiftung, die zunächst eine externe Geschäftsführung besetzt.

Und die dritte Variante sei, rechtzeitig eine zweite Führungsebene aufzubauen, um sich dann selbst zurückziehen zu können.

„Der Übergeber muss sich klar sein, was er will, und sich dann auch daran halten. Wir hatten das gerade bei einem Fall: Ein Unternehmer hat im Alter von 80 Jahren übergeben, aber geglaubt, er kann immer noch mitreden und entscheiden. Dadurch ist die Übergabe letztlich gescheitert und wir haben einen neuen Übernehmer gesucht.“

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