Einmal tief durchatmen – und das mit gutem Gewissen. Österreichs Luft ist so sauber wie seit 20 Jahren nicht mehr.
Die vorläufige Bilanz der Luftqualität 2025 des Umweltbundesamts liest sich wie eine Öko-Erfolgsgeschichte, die man sonst eher aus Sonntagsreden kennt. Doch diesmal liefern die Messstationen die Beweise.
Ob Feinstaub (PM10 und PM2,5), Stickstoffdioxid oder Ozon: 2025 brachte erneut eine der niedrigsten Belastungen der vergangenen zwei Jahrzehnte. Hauptgründe sind der kontinuierliche Rückgang der NOx-Emissionen aus dem Straßenverkehr und ein milder Winter. Weniger Heizbedarf, bessere Durchmischung der Luft – das Ergebnis ist messbar sauberere Atemluft von Vorarlberg bis ins Burgenland.
„Wir sind auf dem richtigen Weg“
Umweltminister Norbert Totschnig zeigt sich zufrieden: Die Zahlen belegen, dass Investitionen in moderne Heizsysteme, strengere Abgasregeln und nachhaltige Verkehrspolitik wirken. Saubere Luft sei kein abstraktes Klimaziel, sondern ein direkter Gewinn für die Gesundheit der Menschen. Gleichzeitig macht er klar: Die positive Entwicklung muss abgesichert werden – Stillstand wäre Rückschritt.
Stickstoffdioxid: Grenzwerte klar unterschritten
Beim Stickstoffdioxid setzt sich der seit 20 Jahren anhaltende Abwärtstrend fort. 2025 lagen die NO₂-Jahresmittelwerte sogar unter jenen von 2024. Weder der EU-Grenzwert von 40 µg/m³ noch der strengere IG-L-Wert von 30 µg/m³ wurden an irgendeiner Messstelle überschritten. Der Motor dieses Erfolgs: sauberere Neufahrzeuge und die zunehmende Elektrifizierung der Fahrzeugflotte.
Feinstaub: Problemstoff deutlich entschärft
Feinstaub bleibt komplex – er entsteht aus Verkehr, Hausbrand, Industrie, Landwirtschaft und wird teils über weite Strecken herangetragen. Dennoch: 2025 wurde das IG-L-Grenzwertkriterium für PM10 an keiner Messstelle überschritten. Auch die EU-Grenzwerte blieben klar eingehalten. Die Jahresmittelwerte für PM10 und PM2,5 lagen in den meisten Bundesländern unter dem Niveau der Jahre vor 2018.
Warum die Luft heute besser ist als früher
Großflächige Überschreitungen wie zuletzt 2010 und 2011 sind Geschichte. Mildere Winter, weniger Inversionslagen und sinkende Emissionen – auch in den Nachbarstaaten - zeigen Wirkung. Die Luftpolitik der letzten Jahre zahlt sich jetzt aus.
Ozon: Licht und Schatten
Beim Ozon zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Belastung lag über dem Durchschnitt seit 2020, aber unter den Spitzen früherer Jahre. Die Informationsschwelle wurde an vier Tagen überschritten, die Alarmschwelle erstmals seit zehn Jahren an einer Messstelle. Auch Schwefeldioxid sorgte punktuell für Überschreitungen - ausgelöst durch Störfälle in Industriebetrieben. Insgesamt bleibt Ozon der sensibelste Schadstoff der Sommermonate.
Verkehr: Weniger Sprit, weniger CO₂
Auch beim Klima gibt es vorsichtige good news. 2025 wurde in Österreich rund 300 Millionen Liter weniger Treibstoff getankt als im Jahr davor. Die CO₂-Emissionen des Verkehrs sanken laut VCÖ um etwa 0,4 Millionen Tonnen auf 18,9 Millionen Tonnen – der vierte Rückgang in Folge. Hauptgründe: mehr Elektroautos (254.000 Stück), weniger Diesel-Pkw und ein neuer Rekord bei den gefahrenen Bahnkilometern.
Aber: Klimaziele noch außer Reichweite
So erfreulich der Trend ist – der Verkehr verursacht noch immer ein Drittel mehr Treibhausgase als 1990. Während andere Sektoren ihre Emissionen senken konnten, hinkt der Verkehr hinterher. Der VCÖ fordert deshalb ein „Triple-A“ im Klimaschutz: bessere Angebote im Öffi-Verkehr, stärkere Anreize zum Umstieg und mehr Anerkennung für klimafreundliche Mobilität. Auch niedrigere Tempolimits wären eine rasch wirksame Maßnahme – fürs Klima und für die Verkehrssicherheit.
Vorläufige Zahlen, klare Richtung
Die Daten für 2025 sind noch vorläufig, die endgültige Qualitätssicherung folgt 2026. Doch die Richtung stimmt. Saubere Luft ist kein Zufall, sondern das Ergebnis konsequenter Politik und veränderter Mobilität. Oder anders gesagt: Österreich zeigt, dass Umweltschutz wirkt – wenn man ihn ernst nimmt.
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