Eine alleinerziehende kranke Mutter kämpft um Nachmittagsbetreuung für ihren Sohn, der an einer Autismus-Spektrum-Störung leidet. Vergeblich, es fehlt entsprechendes Personal und berufstätige Eltern werden vorgezogen.
Um eine Nachmittagsbetreuung für ihren Sohn, der eine Schule für Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung besucht, bemüht sich Petra B. (Name geändert) aus Wien seit einiger Zeit vergeblich. Der Grund? Personalmangel. Weil die alleinerziehende Mutter selbst krank und wegen mehrerer gesundheitlicher Probleme nicht arbeiten kann, bezieht sie seit drei Jahren Mindestsicherung. Sie kämpft derzeit auch vor Gericht um eine Berufsunfähigkeitspension und um Reha-Geld.
Therapie nur am Vormittag
„Ich habe niemanden, der mir auf mein Kind aufpassen könnte, mir steht nur die Zeit, in der Philipp (Name geändert) in die Vorschule geht, zur Verfügung.“ Das sind in etwa drei bis vier Stunden am Vormittag. Oft müsse sie monatelang auf eine Behandlung warten, da Termine am Vormittag oft schon vergeben seien. „Schon im Sommer wusste der Stadtschulrat, dass mehr als 150 Lehrer fehlen werden, und wurde etwas dagegen unternommen? Nein, natürlich nicht! Auf der Strecke bleiben wieder einmal die Kinder und die Familien“, macht Claudia B. ihrem Ärger Luft. Auf Anfrage bei der Bildungsdirektion ist man sich des Problems der fehlenden Pädagogen sehr wohl bewusst.
Kranke Eltern benachteiligt
Trotz intensiver Bemühungen käme es vereinzelt zu Engpässen, auch bei der Nachmittagsbetreuung, bestätigte man uns und verwies auf die Zuständigkeit der Schulleitung. Die Bildungsdirektion für Wien wies außerdem darauf hin, dass bei begrenzten Kapazitäten in der Nachmittagsbetreuung jene Kinder Vorrang hätten, deren Eltern aufgrund ihrer Berufstätigkeit auf die Betreuung angewiesen wären. Da Frau B. jedoch krankheitsbedingt zu Hause wäre, könne ihr Sohn derzeit nicht betreut werden. Die Schulleitung wiederum bedauert, sie habe aktuell keine Ressourcen, um ein weiteres Kind aufzunehmen. Übrig bleibt das bittere Gefühl einer Zwei-Klassen-Gesellschaft, die berufstätige Eltern gegenüber kranken Eltern bevorzugt.
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