Nonsens-Artikel

Computerprogramm narrte weltweit Wissenschaftler

Wissenschaft
28.02.2014 10:37
Der internationale Wissenschaftsverlag Springer muss 16 völlig sinnfreie Artikel aus seinen Archiven löschen, die von einem Computerprogramm zusammengebastelt wurden und über Jahre hinweg die Forschergemeinschaft narrten. Die angeblichen Fachartikel von wissenschaftlichen Konferenzen würden "so schnell wie möglich" entfernt, teilte Springer am Donnerstag mit. Zudem würden die Prozeduren überprüft, um ähnliche Fälle zu verhindern.

Erstellt wurden die Artikel mit dem Computerprogramm SCIgen, das 2005 von Wissenschaftlern des renommierten Massachusetts Institute of Technology entwickelt worden war. Das Programm setzt willkürlich wissenschaftliche Fachbegriffe oder Textbausteine aneinander, fügt Grafiken ein und erfindet Quellenangaben. Heraus kommen Artikel, die zwar auf den ersten Blick echt erscheinen, aber überhaupt keinen Sinn ergeben.

Die MIT-Forscher reichten mit SCIgen erstellte Artikel bei Fachkonferenzen ein - und blamierten die Forschergemeinschaft, als sie anschließend ihren Schabernack und damit oberflächliche Kontrollen von wissenschaftlichen Publikationen aufdeckten.

Insgesamt 130 gefälschte Artikel aufgespürt
Der französische Informatikwissenschaftler Cyril Labbe von der Universität Grenoble hat sich seitdem darauf spezialisiert, von SCIgen geschriebene Artikel aufzuspüren. Er wurde nicht nur in Springer-Publikationen zu Informatik und Ingenieurswissenschaften fündig, sondern entdeckte laut dem Fachmagazin "Nature" auch mehr als 100 derartiger Nonsens-Artikel in Publikationen des in New York ansässigen Institute of Electrical and Electronic Engineers.

Die insgesamt 130 von ihm aufgespürten Artikel stammen aus der Zeit zwischen 2008 und 2013. In einigen Fällen sei das Vorwort des computergenerierten Artikels per Hand nachgebessert worden, um authentischer zu erscheinen, sagte Labbe der Nachrichtenagentur AFP.

Öfter zitiert als Albert Einstein
Labbe selbst hatte die Software 2010 genutzt, um mehr als hundert falsche Artikel eines von ihm frei erfundenen Wissenschaftlers zu verfassen und in der Wissenschaftsdatenbank Google Scholar zu veröffentlichen. Der von ihm erfundene Forscher "Ike Antkare" stand dort zeitweise auf Platz 21 der am meisten zitierten Autoren. Albert Einstein belegte zu dem Zeitpunkt nur den 36. Platz.

Mehrere Beispiele für derart sinnfreie Artikel, die mittels SCIgen erstellt wurden, finden sich auf der Website des MIT. Hier gibt es auch einen Zufallsgenerator, mit dem sich nach Eingabe von bis zu fünf "Autoren" vermeintlich wissenschaftliche Publikationen erstellen lassen sollen.

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