Do, 16. August 2018

Nach Jahren im Koma

11.01.2014 14:01

Israels Ex-Premier Ariel Sharon gestorben

Der frühere israelische Ministerpräsident Ariel Sharon ist am Samstag nach jahrelangem Koma gestorben. Sharon hatte vor acht Jahren einen Schlaganfall erlitten, seitdem lag er im Koma und wurde künstlich ernährt. In den vergangenen Tagen hatten die Ärzte von multiplen Organschädigungen bei ihrem prominenten Patienten berichtet. Sharon wurde 85 Jahre alt.

Der 1928 geborene Sharon war von 2001 bis 2006 Regierungschef in Jerusalem. Ein Jahr bevor er ins Koma fiel, hatte der langjährige Spitzenpolitiker der konservativen Likud-Partei die liberale Bewegung Kadima aus der Taufe gehoben.

Ein Bauer als Soldat, ein Kriegsheld als Mann des Friedens
Wie die politische Neugründung am Ende seiner Laufbahn vollzog Sharon Zeit seines Lebens zahlreiche Wandlungen. Vom Bauern wurde er zum Soldaten, vom gefeierten Kriegshelden zum Friedenspolitiker. Nachdem er jahrzehntelang die israelischen Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten gefördert hatte, entschied er als erster Ministerpräsident Israels, einen Teil der Siedlungen wieder aufzugeben.

Sharon prägte den Nahost-Konflikt von Beginn an und war an fünf Kriegen beteiligt. Einmal wurde er als Retter gefeiert, dann wieder als Schande der Nation angeprangert. Die größte Überraschung in seinem politischen Leben war wohl die Wahl zum Ministerpräsidenten im Jahr 2001. Sharon war damals schon 73 Jahre alt. Seine erste Amtszeit war von der Niederschlagung des palästinensischen Aufstandes geprägt, die zweite vom Rückzug aus dem Gazastreifen.

Neue Partei gegründet, um Friedensprozess in Gang zu bringen
Wenige Monate bevor er im Jänner 2006 ins Koma fiel, stand er abermals am Scheideweg: Er verließ im November 2005 den Likud-Block, zu dessen Gründungsmitgliedern er zählte. Ein Frieden mit den Palästinensern und eine Festlegung der endgültigen Grenzen des Staates schienen ihm nur mit einer neuen, gemäßigteren Partei durchsetzbar. So scharte er seine engsten Anhänger um sich und gründete mit ihnen die neue Partei Kadima ("Vorwärts"). Ein Sieg bei der Parlamentswahl im März 2006 schien Sharon sicher.

So weit sollte es jedoch nicht kommen. Nachdem er schon im Dezember einen leichten Hirnschlag erlitten hatte, fiel er am 4. Jänner nach einem schweren Schlaganfall ins Koma. Als Ursache wurde ein kleines Loch im Herzen ausgemacht, das durch eine Operation hätte geschlossen werden sollen. Die Ärzte vermuteten eine starke Hirnschädigung, es folgten Operationen. Sharon erwachte nicht mehr aus dem Koma, bis zuletzt war er von lebenserhaltenden Geräten abhängig.

Formell blieb Sharon noch bis zum 11. April 2006 israelischer Regierungschef, bis er für dauerhaft amtsunfähig erklärt wurde. Ihm folgte sein Stellvertreter Ehud Olmert nach, der mit der Kadima-Partei die Parlamentswahl gewann und eine Fortsetzung von Sharons Politik versprach.

"Der Bulldozer" auf Konfrontationskurs mit Arafat
Sharon, der in Israel "Arik" genannt wurde, war einer der charismatischsten und zugleich umstrittensten Politiker Israels. Er erwarb sich früh den Ruf eines militärischen Genies. Als Soldat bestach er durch eine kühne Taktik, mitunter setzte er sich dabei auch über Befehle hinweg. Als Politiker wurde er als "der Bulldozer" von seinen Gegnern gefürchtet - auch vom langjährigen palästinensischen Präsidenten Yassir Arafat, den er jahrelang in Ramallah festsitzen ließ.

Seine Unnachgiebigkeit zeigte er aber auch beim Gaza-Rückzug, den er gegen erbitterten Widerstand seiner eigenen Partei durchsetzte. Beim Bau des Sperrwalls im Westjordanland, der palästinensische Selbstmordattentäter abhalten sollte, ließ er sich auch durch starke internationale Kritik nicht vom Kurs abbringen.

Friedensmission blieb unvollendet
In seiner zweiten Amtszeit ab 2003 schien der einstige Hardliner, der laut einer offiziellen Untersuchung "indirekt verantwortlich" für ein Massaker an mehreren Hundert Palästinensern in zwei Flüchtlingslagern Anfang der 1980er-Jahre war, weicher zu werden und eine historische Mission erfüllen zu wollen: Er bekannte sich zu einem palästinensischen Staat und bezeichnete die israelische Kontrolle über das Westjordanland und den Gaza-Streifen als Besatzung - ein Wort, das er bis dahin nie gebraucht hatte.

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