In jüngster Zeit häuften sich die Meldungen über Pleiten von Tiroler Firmen. Die „Krone“ fragte beim Kreditschutzverband von 1870 (KSV) nach den Gründen. Auch die Signa-Gruppe spielt eine wichtige Rolle.
Egal ob in der Baubranche, in der Gastro oder in anderen Sektoren – Meldungen über Konkurse bzw. insolvente Firmen gab es zuletzt fast wie Sand am Meer. Stellt man die Zahlen jenen von anderen Bundesländern gegenüber, fällt auf, dass jene in Tirol im Vergleich zu Restösterreich im Jahr 2025 deutlich gestiegen sind. Das bestätigt auch Klaus Schaller vom KSV: „Tirol lag in den Jahren 2023 und 2024 beim Anstieg der Firmeninsolvenzen immer deutlich unter dem Bundesschnitt. Wir erleben heuer einen Nachholeffekt.“
Etliche Ursachen, auch Signa hat großen Anteil
Die Gründe dafür sind wohl rasch gefunden: Die Nachwehen der in wirtschaftliche Schieflage geratenen Signa-Gruppe von René Benko sind spürbar. Bereinigungen der Konzernstruktur über die Abwicklung von Insolvenzverfahren seien ein Mitgrund.
Zudem sei die Wirtschaft im Dauerkrisenmodus und mit Blick auf die geopolitische Lage sei laut Schaller zu befürchten, „dass sich die Situation so schnell nicht stabilisieren wird“. Gleichzeitig kann er Entwarnung für heimische Unternehmen geben: „Diese Pleiten sind nicht auf eine besondere Schwäche des heimischen Wirtschaftsstandortes zurückzuführen.“
Globale Wirtschaftslage sorgt für Unruhe in Tirol
Tiroler Betriebe können sich nicht von der globalen bzw. europäischen Wirtschaftslage abkoppeln. Einige Bereiche trifft es besonders: „Die Baubranche ist heuer am stärksten betroffen, dicht gefolgt vom Handel“, so Schaller.
Die Konkurrenz durch den Onlinehandel und gestiegene Kosten machen den Betrieben zu schaffen. Für das Bauwesen seien fehlende Investitionen ein Schlag ins Gesicht. Laut Schaller sind Insolvenzen saisonunabhängig. Doppelte Lohn- und Gehaltszahlungen brechen bereits wankenden Firmen oft das Genick.
Im ersten Halbjahr 2024 ist es in Tirol zu einem Rückgang bei Insolvenzen gekommen – als einzigem Bundesland. Der jetzige Anstieg überrascht mich nicht.
Klaus Schaller, Kreditschutzverband von 1870
Bild: KSV1870/Die Fotografen
Mit einem Insolvenzanstieg von 34 Prozent im ersten Halbjahr liegt man im Vergleich deutlich über dem Bundesschnitt. Panik ist aber nicht angesagt, so Schaller: „Im ersten Halbjahr 2024 ist es in Tirol zu einem Rückgang bei Insolvenzen gekommen – als einzigem Bundesland. Der jetzige Anstieg überrascht mich nicht.“
Der Kreditschutzverband von 1870 ist ein bevorrechteter Gläubigerschutzverband in Österreich und vertritt die Interessen von Gläubigern in Insolvenzverfahren. Bei Gericht gestaltet man aktiv Lösungen für Unternehmens- und Privatinsolvenzen. Ziel ist es, die Finanzkraft der Gläubiger durch Quotenzahlungen zu stärken, in dem man Kompromisse für alle Beteiligten verhandelt.
Als Gemeinschaft für Wirtschaftstreibende vertritt man die Interessen von über 34.000 freiwilligen Mitgliedern. Der Verband wurde 1870 von 40 Wiener Kaufleuten und Industriellen gegründet. Der Ursprungsgedanke war der Austausch von Informationen zum Schutz von Geschäftsleuten vor Verlusten.
Schlittert eine Firma in die Pleite, reichen Gläubiger ihre Ansprüche ein. Bei großen Unternehmen ist die Zahl der Gläubiger oft hoch. Dies birgt oftmals Ausfälle. Etwa ein Viertel der Verfahren in Tirol endet mit einer Entschuldung. Gelegentlich müsse man jedoch einen Totalausfall hinnehmen.
Die Unternehmerinnen und Unternehmer stehen aufgrund der vielfältigen Krisen vor großen Herausforderungen.
Klaus Schaller, Kreditschutzverband von 1870
Bild: KSV1870/Die Fotografen
Wie es in Tirol weitergeht, sei schwer zu prophezeien. Schaller rechnet mit weiter hohen Insolvenzzahlen. „Die Unternehmerinnen und Unternehmer stehen aufgrund der vielfältigen Krisen vor großen Herausforderungen.“ Eine kurz- oder mittelfristige Beruhigung sei auch aufgrund der sich laufend ändernden Ankündigungen aus den USA nicht erwartbar.
Der Kreditschutzverband 1870 meldete in Tirol in den vergangenen Wochen zahlreiche Insolvenzanträge. Alleine im August gab es quasi eine Pleitenflut. Firmen aus den unterschiedlichsten Branchen waren davon betroffen. Die „Krone“ hat einige davon ausgewählt und die wichtigsten Zahlen zusammengefasst:
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