Das „ewige“ Eis scheint seinen Namen zu Unrecht zu haben: Seit vielen Jahren schmelzen die Gletscher weltweit dahin – in immer rascherem Tempo. Zu sehen ist das besonders gut am Hallstätter Gletscher, wo laut Umweltlandesrat Stefan Kaineder der größte Masseverlust seit Messbeginn vor 19 Jahren droht.
Es ist schon so etwas wie ein Ritual: Jährlich begibt sich Umweltlandesrat Stefan Kaineder (Grüne) gemeinsam mit Lokalpolitikern und Experten auf den Halltätter Gletscher, dem größten Gletscher des Dachsteinmassivs. Zweck der Reise sind die Begutachtung und Dokumentation des Gletscherschwundes. Die Erkenntnisse gleichen einander seit Anbeginn des von Land OÖ und Energie kofinanzierten Forschungsprojekts vor 19 Jahren: Das „ewige“ Eis schmilzt unaufhörlich dahin.
Größter Massenverlust seit 19 Jahren
Lange dürfte es die Expedition aber nicht mehr geben. Laut Forschungsleiter Klaus Reingruber werde 2030 beim Blick vom Gosausee oder von Bad Aussee nach oben Richtung Dachstein kein „weiß herunterleuchtender Gletscher“ mehr zu sehen sein. Das „ewige“ Eis stehe heuer vor dem größten Massenverlust seit 2006. „Derzeit ist der Gletscher quasi komplett blank, nur in den obersten Bereichen gibt es noch Rest-Altschnee. Vom Schnee des vergangenen Winters ist nichts mehr übrig – die gesamte Fläche ist der Ablation ausgesetzt“, präzisiert Reingruber.
„Der Zustand ist katastrophal“
Vor allem der schneearme und warme Winter und Frühling sowie die Rekordhitze im Juni hätten dem Gletscher massiv zugesetzt. Reingruber hofft jetzt auf frühzeitige Schneefälle im September und Oktober. Sein Fazit: „Das Eis zerbricht selbst in den oberen Bereichen, weiter unten bedecken Schutt und Felsen die Oberfläche. Der Zustand ist katastrophal.“
Lange Messreihen wie jene am Hallstätter Gletscher zeigen nicht nur, wie stark sich das Klima ändert, sondern auch, dass diese Erwärmung einzigartig in 1,5 Millionen Jahren Erdgeschichte ist.
Seethalerhütter nicht mehr auf Gletscherweg erreichbar
Das bestätigen auch die Zahlen des Forschungsprogramms: Seit Beginn des Messprogramms im Jahr 2006 hat der Hallstätter Gletscher mehr als 56 Millionen Kubikmeter – das ist ein Drittel seiner ursprünglichen Masse – verloren. Die Folgen davon sind bereits unmittelbar vor Ort zu spüren. Schon in den nächsten Wochen werden sich laut Experten der Hallstätter und der Schladminger Gletscher, die seit rund 3500 Jahren verbunden sind, endgültig trennen. Das verbindende Schneeband ist nur noch sieben Meter breit – vor einem Jahr waren es noch 30 Meter. Mit dem Auseinanderbrechen ist auch die beliebte Seethalerhütte künftig nicht mehr auf einem präparierten Gletscherweg, sondern nur noch mithilfe von Steigeisen erreichbar.
„Die dramatischen Entwicklungen am Hallstätter Gletscher führen uns unmissverständlich vor Augen, wie weit die Klimakrise bereits fortgeschritten ist“, resümiert Kaineder. Das Eis in seiner heutigen Form sei ohnehin nicht mehr zu retten – aber: „Wir können und müssen alles daransetzen, die Klimakrise einzubremsen und uns an ihre Folgen anzupassen!“
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