Dass Metallica und Iron Maiden die Regentschaft im Heavy-Metal-Bereich innehatten, ist eine seit Jahrzehnten feststehende, unumstößliche Tatsache. Doch an der Vorherrschaft der Etablierten wird seit einigen Jahren kräftig gerüttelt, denn die amerikanischen Vollblut-Metaller Avenged Sevenfold beuteln mit allen Kräften am gutbesetzten Thron und lassen dabei kein Feld unbeackert. Mit dem aktuellen Album "Hail To The King" schafften die Kalifornier sogar das seltene Kunststück, in den USA und in Großbritannien an die erste Stelle der Albumcharts zu stürmen – alles andere als alltäglich für eine Band aus dem härteren Sektor.
Attraktiver Anheizer
Doch bevor die großen Superstars die Bühne betreten, sorgen Five Finger Death Punch für das nötige Aufwärmprogramm. Songs wie "Burn It Down", "Hard To See" oder "Coming Down" funktionieren augenscheinlich nicht nur am Hauptmarkt Amerika, sondern längst auch am Alten Kontinent. Es ist vor allem dem kantigen Frontmann Ivan "Ghost" Moody vorbehalten, mit ausdrucksvollen Gesten und einer Menge Spaß an der Sache für den nötigen Schwung in der Halle zu sorgen. Zwischen den kernigen Riff-Kanonaden bleibt hier und da auch etwas Zeit, um die aggressiveren Teile in den langsamen Zwischen-Parts sacken zu lassen. Die gut gefüllte Stadthalle dankt mit Sonderapplaus.
Als Avenged Sevenfold die Bühne betreten, ist das Areal längst gefüllt und die Münder stehen staunend offen. Klotzen statt kleckern ist die Devise von Sänger M. Shadows und seinen Mitstreitern, denn mit der riesigen Totenkopf-Fledermaus als übereinnehmende Bühnenfigur, ständig in die Höhe schnellenden Feuerfontänen und spontan eingebauten Sprühfunken orientieren sich die Kalifornier auch optisch an den absoluten Größen des Genres. So wirkt die Inszenierung zum Auftakt des Openers "Shepherd Of Fire" wie ein effektbereichertes Musical mit satt eingebauten, schweren Riffs.
Von den Großen geklaut
Musikalisch und von der Inszenierung her gesehen zeigen Avenged Sevenfold hier und heute ganz großes Kino, selbst der für Stadthallen-Verhältnisse nicht immer optimale Sound vermag sich ohne zu viel Hall durch die Ecken zu schlängeln. Dass die Band während des Auftritts dabei munter von den ganz Großen des Geschäfts borgt und oftmals sogar kopiert, stört absolut niemanden. So klingt "Hail To The King" wie eine Hommage an Iron Maiden, wildert "Doing Time" in Guns N' Roses-Gefilden und erinnert das epische Gitarrenintro zu "Buried Alive" gleichsam an Led Zeppelin's "Stairway To Heaven", als auch an Metallica's "Fade To Black".
Schwer wiegen allerdings die Stimmprobleme von Frontmann M. Shadows, der sich nach eigenem Bekunden beim Mittagessen vergriffen hat, dadurch nicht die volle Leistung abrufen kann, aber mit all seiner verfügbaren Kraft zumindest einen Großteil der Show in professioneller Art und Weise zu bestreiten weiß. Im Vergleich zu den letzten Konzerten in Europa muss die Setlist zwar um ein paar Songs verkürzt werden, doch beim memorablen Chorus-Teil zu "Afterlife" und dem herzerfrischenden "Bat Country" ist wenig von einer Unform zu merken.
Top-Hits fehlen
Das melancholische "Fiction" wird dem sträflich vermissten, weil verstorbenen Schlagzeuger The Rev gewidmet – Abzüge in der B-Note gibt es nur für das gefühlt unendlich in die Länge gezogene Gitarrensolo von Synyster Gates und dem völligen Verzicht auf Top-Songs wie "Beast And The Harlot" und "Seize The Day".
Trotz allem passt die Mischung aus feurig-leuchtender Bühnenoptik und aufsehenerregender Instrumentalbeherrschung hervorragend und wird auch mit ausreichend Jubel honoriert. Gelingt Avenged Sevenfold in den nächsten Jahren auch noch der Schritt in die musikalische Eigenständigkeit, könnten sie die Genre-Spitze schneller erklimmen als sie womöglich glauben und hoffen würden.











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