Kircher erklärte zu Beginn seiner Einvernahme, er habe "intensiv nachgedacht" und sei zu dem Schluss gekommen, es sei besser, reinen Tisch zu machen. Kulterer (Bild unten) sei demnach "Mastermind" des ganzen Aktiendeals gewesen. Auch die Variante, den Investoren Vorzugsaktien mit einer Verkaufsoption zu einem bestimmten Preis anzubieten (Put-Option), sei vom ehemaligen Hypo-Chef gekommen, erklärte Kircher dem Schöffensenat unter Vorsitz von Richter Christian Liebhauser-Karl.
Dass er bisher auf nicht schuldig plädiert habe, habe unter anderem mit Loyalität zu tun gehabt - und auch damit, dass er sich einer strafrechtlichen Verfolgung entziehen wollte, so der Ex-Hypo-Vorstand. "Das will ich nicht mehr, ich will reinen Tisch machen und ein normales Leben führen können", begründete er seinen Sinneswandel.
Kircher belastet gesamten damaligen Bankvorstand
Kircher belastete in seinem Geständnis aber nicht nur seinen ehemaligen Chef Wolfgang Kulterer, sondern den gesamten ehemaligen Bankvorstand sowie die Kulterer-Nachfolger und Mitangeklagten Siegfried Grigg und Tilo Berlin. Allen sei klar gewesen, dass es sich bei den Put-Optionen um problematische Dokumente gehandelt habe. Es sei im Vorstand über die Problematik diskutiert worden, man werde darüber in den Vorstandsprotokollen aber nichts lesen, weil das nicht gewollt war - "von allen", wie der Ex-Hypo-Vorstand auf Frage des Richters präzisierte.
Ebenso sei ihnen allen bewusst gewesen, dass es in der Folge bei der Bilanzerstellung Probleme geben werde, erklärte der Angeklagte weiter. Insgesamt waren Vorzugsaktien der Hypo-Leasing im Volumen von 100 Millionen Euro an Investoren verkauft worden, um Eigenmittel zu lukrieren. Er selbst habe die Vorzugsaktien mit Put-Optionen nicht verkauft, "aber es war ein schwerer Fehler, mitzuunterschreiben, wenn andere verkauften", so Kircher.
Unterlagen vernichtet: "Habe Notar nicht beauftragt"
Im Zuge des Deals waren Unterlagen, nämlich jene geheimen Nebenvereinbarungen mit den Put-Optionen, vom Notar, der diese erstellt hatte, vernichtet worden. Bisher hatte es immer geheißen, dies sei auf die Anweisung Kirchers geschehen. "Ich habe den Notar nicht beauftragt, Unterlagen zu vernichten", stellte dieser nun klar. Wer das veranlasst hat, wisse er nicht. "Aber ich war darüber auch nicht unglücklich, wenn ich ehrlich bin." Die Akten waren trotz Löschung auf der Festplatte des Notars gefunden worden.
Kircher belastete dann im weiteren Verlauf seiner Einvernahme Kulterer weiter. Unter anderem legte er eine Liste mit Ansprechpartnern vor, mit denen der Ex-Hypo-Chef Aktiendeals abgeschlossen hatte. Auch für den Deal mit der mitangeklagten Flick-Stiftung legte Kircher ein Dokument vor, das nicht im Gerichtsakt lag - darin steht ebenfalls Kulterer als Ansprechpartner. Von Richter Liebhauser-Karl gefragt, woher er die Urkunden, die bei Hausdurchsuchungen nicht gefunden wurden, jetzt habe, antwortete der Angeklagte: "Mir wurden die Unterlagen aus der Bank zur Verfügung gestellt".
Bank laut Anklage um Millionen Euro geschädigt
Die Staatsanwaltschaft wirft den ehemaligen Bankvorständen Kulterer, Siegfried Grigg, Tilo Berlin und Josef Kircher vor, mit der Begebung von Vorzugsaktien der Hypo-Leasing die Bank um rund 5,1 Millionen Euro geschädigt zu haben, weil die Aktien mit einer Verkaufsoptionen zu einem bestimmten Preis versehen und deshalb zu hoch verzinst waren. Ebenfalls Teil der Anklage ist eine sogenannte Sonderdividende, die den Aktienkäufern gewährt wurde und 2,5 Millionen Euro betragen hat.
Kulterer, Grigg und Kircher sind auch wegen Bilanzfälschung angeklagt, weil sie die 100 Millionen Euro aus den Aktienverkäufen als Eigenkapital in die Bilanz genommen haben. Die Flick-Stiftung steht deshalb als fünfter Angeklagter vor Gericht, weil Kulterer damals Stiftungsvorstand war und den Aktienkauf empfohlen hatte. Die Stiftung hat sich übrigens dem Verfahren als Privatbeteiligte angeschlossen.










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