Insgesamt geht es um Vorzugsaktien von rund 100 Millionen Euro, die den Käufern eine schöne Rendite brachten: Flick soll 14 Millionen investiert und angeblich rund 750.000 Euro herausbekommen haben. Moser, der über eine seiner Gesellschaften über 55 Millionen Euro investierte, soll mit rund 2,4 Millionen Euro Erlös der größte Investor gewesen sein. Die Investoren haben übrigens nichts zu befürchten. Ihre Dividenden werden nicht infrage gestellt.
Flick-Privatstiftung als Mittäter oder Opfer?
Mit einer Ausnahme: Die Flick-Privatstiftung, die ebenso wie der frühere Hypo-Leasingchef Josef Kircher mitangeklagt ist. Ihr könnte die Doppelrolle Kulterers (kleines Bild) zum Verhängnis werden: Die Stiftung, die 25 Millionen Euro investierte, muss sich als Beitragstäter verantworten, da Kulterer als Hypo-Chef gleichzeitig Vorsitzender der Stiftung war und sie "durch die Straftaten von Kulterer in den Genuss unangemessen hoher Beträge gekommen sein soll" – heißt es in der Anklageschrift.
Die Stiftung hat sich von Kulterer getrennt und den Erlös auf Eis gelegt. Sie sieht sich aber auch als Geschädigte und hat sich daher als Privatbeteiligte dem Prozess gegen die Ex-Bosse angeschlossen. Begründung: Wenn die Hypo 2006 wirklich finanziell so marode gewesen sein sollte, wie es die Staatsanwaltschaft darstellt, hätte die Bank für das Investment einen Risikoaufschlag zahlen müssen.
Verhängnisvolle Geheimklausel
Dabei war die Hypo ohnehin großzügig gewesen: Neben sechs Prozent Zinsen gab es für die Investoren sogenannte Put-Optionen: Flick und Co. hätten ihre Millionen jederzeit risikolos wieder aus der Bank abziehen können.
Diese geheime Klausel macht die Sache auch insofern spannend, da laut Gutachter das durch die Vorzugsaktien hereingebrachte Kapital deshalb nicht als Eigenkapital der Bank gewertet hätte werden dürfen. Drei Bankern wird daher auch Bilanzfälschung vorgeworfen. Werden sie verurteilt, kann das für die Steuerzahler teuer werden: Die BayernLB könnte ebenso wie Berlin und Co. Ansprüche auf Rückabwicklung des Kaufs anmelden. Ein Rätsel bleibt jedoch, warum die Finanzmarktaufsicht nicht schon seinerzeit auf den angeblichen Fehler aufmerksam wurde.
Grigg (Bild links) und Berlin (Bild rechts) stehen in der Causa Hypo erstmals als Angeklagte vor dem Richter. Grigg war nach Kulterers Rücktritt 2006 von der damaligen Miteigentümerin GraWe in den Hypo-Vorstandssessel gehievt worden. Ein Jahr später hatte ihn Berlin auf Wunsch der neuen Eigentümerin BayernLB abgelöst.
Ex-Justizminister als Verteidiger
Für Kulterer ist es bereits der vierte Hypo-Prozess - und Richter Christian Liebhauser-Karl für ihn ein alter Bekannter: Liebhauser-Karl hat Kulterer bereits wegen des Kredits an die Pleite-Fluglinie Styrian Spirit und wegen Bilanzfälschung im Zusammenhang mit den Swap-Verlusten verurteilt. Neu ist Kulterers Verteidiger: Ex-Justizminister Dieter Böhmdorfer.
Wegen des Styrian-Spirit-Kredits fasste Kulterer rechtskräftig zwei Jahre Haft aus, Untreue im Zusammenhang mit den Vorzugsaktien von 2004 brachten ihm dreieinhalb Jahre ein. Auch diese Verurteilung ist rechtskräftig. Wegen einer Schulteroperation wurde Kulterer jedoch Haftaufschub gewährt.










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