GOCE (die Abkürzung steht für Gravity Field and Steady-State Ocean Circulation Explorer) hatte ein neues Bild der Erde gezeichnet. Mit Messungen des Schwerefelds in zuvor unerreichter Genauigkeit lieferte er erstmals ein weltweites einheitliches und zentimetergenaues Höhenprofil. Unter anderem können damit unterschiedliche Höhenangaben von Bergen vereinheitlicht und Probleme bei Bauvorhaben besser gelöst werden.
Die Daten dokumentieren auch den Anstieg des Meeresspiegels und Strömungsveränderungen, die für Klimamodelle wichtig sind. GOCE registrierte auch für das menschliche Ohr unhörbare Infraschallwellen, die das schwere Erdbeben im März 2011 in Japan ausgelöst hatten.
Um bestmögliche Ergebnisse liefern zu können, kreiste GOCE in einer extrem niedrigen Bahn (in nur rund 260 Kilometern Höhe) um die Erde. Weil in dieser Höhe noch eine dünne Hülle aus Gasen existiert, bremst die Reibung mit Molekülen den Flug des Satelliten. Um den Widerstand möglichst gering zu halten, hatten die Forscher GOCE eine extrem windschnittige Form verpasst, weshalb der fünf Meter lange Satellit auch als "Ferrari des Alls" bezeichnet wurde.
GOCE sollte ursprünglich nur eineinhalb Jahre in der Umlaufbahn kreisen. Doch wegen geringer Sonnenaktivität reichte der Treibstoff fast dreimal so lang. Eine hohe Aktivität hätte den Satelliten früher abgebremst. Im Oktober ging der Sprit aber endgültig aus. Seitdem warteten die Forscher auf den Wiedereintritt in die Atmosphäre - doch auch hier ließ sich der Satellit mehr Zeit als erwartet: Anstatt nach zwei verglühte er nun erst nach drei Wochen.
Zeichnete ein neues Bild unserer Erde
In immer gleicher Höhe über der Erde ermittelte der Satellit die unterschiedliche Erdanziehung mit feinen Beschleunigungsmessern, die kleinste Veränderungen der Gravitationsbeschleunigung aufspüren. Das Ergebnis: Die Erde ist nur annähernd eine Kugel. In zehntausendfacher Übersteigerung sieht sie vielmehr aus wie eine Kartoffel. Die unterschiedliche Stärke des Schwerefeldes bewirkt auf den Ozeanen Wölbungen und Eindellungen.
Der Meeresspiegel bietet keineswegs einen einheitlichen Höhen-Nullpunkt. Die Länder orientieren sich an lokalen Meereshöhenmessungen an Küsten und haben daher keinen gemeinsamen Nullpunkt. Die Franzosen beziehen sich auf den Pegel in Marseille, die Engländer auf jenen in Newlyn und die Deutschen auf Amsterdam.
Höhengenauigkeit liegt bei zwei Zentimetern
Die US-Mission GRACE hatte bereits ähnliche Ergebnisse erbracht. Die Genauigkeit von GOCE ist aber weit größer. Mitte nächsten Jahres wollen die Wissenschaftler die letzte Auswertung vorlegen. Die Höhengenauigkeit soll dann nach Angaben der koordinierenden Technischen Universität München bei zwei Zentimetern liegen.











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