11.10.2013 12:01 |

Mädchen oft erst 10

Kolumbien: Gangs bieten "Jungfrauen-Auktionen"

"Pass auf deine Tochter auf - oder sie wird verkauft." Diese Warnung ist in den Slums der kolumbianischen Stadt Medellin Allgemeinwissen. Schließlich werden die Armenviertel von Gangs kontrolliert, die zehn- bis 15-jährige Mädchen mit Geld und Annehmlichkeiten anlocken und sie anschließend bei "Jungfrauen-Auktionen" an den Bestbietenden verscherbeln.

Medellin ist die Heimatstadt des Drogenbosses Pablo Escobar, der auch für seine zahllosen Übergriffe auf junge Mädchen berüchtigt war. Dieses Treiben wird bis heute in Medellin fortgeführt: Hübsche Mädchen werden dort von Bandenführern oder anderen Mädchen, die Mitglieder der Gangs sind, angesprochen, berichtet die britische Zeitung "The Independent".

Die Mädchen würden mit Geld und Konsumgütern angelockt, erklärt Luis Pardo, Chef der NGO Corporacion Consultoria de Conflicto Urbano (C3), die das Phänomen seit einem Jahr untersucht. "Sie bieten ihnen Markenklamotten, Ausflüge in Luxusrestaurants, besten Whisky und Kokain an, und so werden die Mädchen Teil des Netzwerks."

Familien meist hilflos
Werde ein Mädchen in eine Gang aufgenommen, genieße es zudem einen gewissen Schutz: Es dürfe von niemandem angefasst und belästigt werden - und auch nicht vergewaltigt, was in der Stadt ansonsten eine große Gefahr für Mädchen und Frauen darstellt. Die Familien stehen dem Treiben meist hilflos gegenüber. Lassen sie die Gangs gewähren, erhalten sie finanzielle Hilfe. Wehren sie sich jedoch, werden sie aus ihren Wohnungen vertrieben oder gar ermordet.

"Kataloge" der jungen Opfer
Die Versteigerung selbst laufe laut C3 im Internet ab: Bekannten Kunden würden vor den Versteigerungen Websites und "Kataloge" mit bis zu 60 Mädchen übermittelt. Mit einem geheimen PIN-Code komme man zur Versteigerungsseite, wo umgerechnet bis zu 2.000 Euro pro Jungfrau bezahlt werden.

Vergewaltigung und Ausbeutung als Schicksal
Das Schicksal der "versteigerten" Mädchen ist grausam: Nach Angaben von C3 werden sie, noch Jungfrauen, oft anfangs bei Orgien von Drogenbossen vergewaltigt. "Das sind die ersten sexuellen Erfahrungen eines Mädchens", so Pardo. "Sie werden weitergereicht von einem Kriminellen an andere, und am Ende sind sie zu Prostituierten geworden." Die meisten Mädchen würden nie mehr nach Hause zurückkehren. Für die Drogenbosse uninteressant geworden, müssten viele anschließend ihr Leben als Prostituierte fristen - wegen der laxen Gesetze in Kolumbien oftmals scheinbar legal in Touristengebieten.

Gangs kontrollieren das ganze Leben
Die Vorgangsweise der Banden bei den Behörden zu melden sei meist sinnlos, so die NGO, schließlich habe in Medellin nicht der Staat das Sagen. Die Gangs kontrollieren das tägliche Leben, erheben per Erpressung ihre eigenen "Steuern", schlichten aber zum Beispiel auch Nachbarschaftsstreitigkeiten. Zudem sind die beiden größten kriminellen Organisationen - Oficina de Envigado und Urabenos - tief verflochten im Staat, wodurch die Meldung einer Straftat bei der Polizei sogar das Todesurteil bedeuten kann. Dass sich C3 des Themas dennoch angenommen hat, sei den Kriminellen bekannt, so "The Independent". Dazu befragte Opfer berichten, die Banden hätten Verrätern mit dem Tod gedroht.

Behörden schieben Schuld von sich
Von den Behörden war gegenüber der Zeitung zu hören, dass man sich der Praxis bewusst sei, ihr aber machtlos gegenüberstehe, da alle Beteiligten schweigen. Zudem würden viele Mädchen mit Geld und Drogen verführt, sodass sie das Treiben als etwas Normales ansehen würden. Hilfsorganisationen wie C3 sehen dies jedoch anders - die Polizei unternehme zu wenig, um den Mädchen zu helfen, so der Vorwurf. "Das Phänomen existiert und wird jeden Tag schlimmer, aber weder Staat noch Polizei handeln", kritisiert Pardo.

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