In der neuesten Ausgabe seiner Kolumne „Ach, übrigens...“ befasst sich „Krone Vorarlberg“-Autor Harald Petermichl mit einem Brief von Herbert Reul. Der gute Mann ist Innenminister von Nordrhein-Westfalen und fiel in der Vergangenheit nicht nur positiv auf. Vor einige Tage allerdings schon...
Dass Herbert Reul, Innenminister von Nordrhein-Westfalen, ein kantiger Zeitgenosse ist, mit dem man sich nur anlegen sollte, wenn man gute Argumente auf seiner Seite hat, ist nichts Neues. Dass der nimmermüde Kämpfer gegen die Sommerzeit zu polarisieren vermag, ebenfalls nicht. Einerseits bekam er vom Portal queer.de vor fünf Jahren die Auszeichnung „Homo-Gurke“, weil er sich in einem Tweet zum Christopher Street Day – sagen wir mal – ungeschickt ausgedrückt hatte, andererseits hat er es im selben Jahr als „unerklärlich“ bezeichnet, wie Wähler auf die Idee kommen könnten, dass Markus Söder ein guter Kanzlerkandidat sei, denn „heiße Luft und eine Politik, die auf Inszenierungen setzt“, brächten die CDU auch nicht weiter.
Nun ist er als Minister für Inneres nicht zuletzt für die Sicherheit im mit fast 18 Millionen bevölkerungsreichsten Bundesland zwischen Selfkant-Isenbruch im Westen und Stahle im Osten zuständig und spätestens seit 2018, als er nach schweren Zusammenstößen in Dortmund zwischen der Polizei und Hertha-Idioten aus der Hauptstadt ein härteres Vorgehen gegen „Problemfans“ gefordert hat, schaut er auch mal genauer hin, was sich in den Stadien und um sie herum so abspielt. Kein Wunder also, dass ihm ziemlich sauer aufgestoßen ist, was sogenannte Fans des Kölner Effzeh kürzlich beim Zweitliga-Derby gegen die Fortuna aus Düsseldorf veranstaltet haben. Auf einem Monumentalbanner war da zu sehen, wie ein Mann mit dem FC-Logo auf der Krawatte der Glücksgöttin Fortuna ein großes Messer an den Hals hält.
Wahnsinnig originell, wenn man bedenkt, dass die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker 2015 Opfer einer Messer-Attacke geworden war. In einem geharnischten Brief an FC-Geschäftsführer Christian Keller hat Reul angemerkt, dass „ein Motiv, das Messergewalt als Teil der Fanrivalität darstellt“, in der heutigen Zeit „schon für sich genommen absolut deplatziert“ sei, während Keller allen Ernstes meint, das sei „einfach die Rivalität zwischen zwei aktiven Fanszenen“. Könnte gut sein, dass die Sache noch ein Nachspiel haben wird, allerdings nicht umgehend, da in der Domstadt seit Donnerstag und noch bis Dienstag der alljährliche Ausnahmezustand, auch Karneval genannt, herrscht. Übrigens mit einem seit 11.11. geltenden Messerverbot. Da DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Hans-Joachim Watzke von der DFL den Brief ebenfalls erhalten haben, darf man gespannt sein, wie sich die Causa nach dem Aschermittwoch weiter entwickeln wird, denn da ist ja bekanntlich alles vorbei.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.