31.07.2013 19:19 |

Großer Justizirrtum

Schweden: "Serienmörder" endgültig entlastet

Ein als Serienmörder verurteilter Schwede ist nach mehreren Jahren endgültig entlastet worden. Die Staatsanwaltschaft hat am Mittwoch die letzte offene Anklage gegen den 63-Jährigen fallen gelassen. Der Vorwurf des Mordes an einem 15-Jährigen im Jahr 1976 könne demnach nicht länger aufrecht erhalten werden. "Heute ist ein Tag der Freude und ein Tag des Nachdenkens", schrieb Sture Bergwall, der sich lange Zeit "Thomas Quick" nannte, in seinem Blog. Der Fall gilt als der größte Justizirrtum in der jüngeren Geschichte Schwedens.

Ursprünglich war der Mann in acht Mordfällen schuldig gesprochen worden. Bergwall, der auf Lebenszeit in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht ist, hatte die Taten zunächst gestanden, seine Aussagen später aber widerrufen. Er ist seit der Verurteilung wegen eines Raubüberfalls 1991 in psychiatrischer Behandlung. 1994 bekannte er sich des Mordes an dem 15-Jährigen schuldig und wurde verurteilt, obwohl bei der Obduktion der Leiche keine Beweise für einen Mord entdeckt wurden.

Dutzende Geständnisse wegen Sucht nach Aufmerksamkeit
Bergwall legte auch Geständnisse für sieben andere Morde in den Jahren 1976 bis 1988 sowie 20 weitere Morde in Schweden, Norwegen und Finnland ab, für die er aber nie belangt wurde. 2008 zog er seine Aussagen, in denen er auch makabre Details der vermeintlichen Taten schilderte, zurück. Er sei damals süchtig nach Aufmerksamkeit gewesen und unter dem Einfluss von Medikamenten gestanden, erklärte er zur Begründung. In drei Fällen wurde er seitdem freigesprochen, in den übrigen Verfahren wurde die Anklage fallengelassen.

Politiker, Juristen und Bergwall selbst fordern nun Aufklärung
Mehrere hochrangige Oppositionspolitiker und Justizexperten fordern nun Aufklärung darüber, wie die Verurteilungen angesichts der dünnen Beweislage zustande kamen. Der 63-Jährige schloss sich der Forderung an. Die jüngste Entscheidung zugunsten des Mannes hat nach Angaben der betreuenden Klinik jedoch keinen Einfluss auf die Therapie. Diese beruhe auf einer vorherigen Gerichtsentscheidung. Bergwall selbst kündigte an, nun auch gegen seine stationäre Unterbringung gerichtlich vorzugehen.

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