29.07.2013 07:42 |

Tausende Teilnehmer

Kairo: Marsch von Mursi-Anhängern gegen Armee

In der ägyptischen Hauptstadt Kairo haben in der Nacht auf Montag Tausende Anhänger des entmachteten Präsidenten Mohammed Mursi mit einem Protestmarsch dem Militär getrotzt. Ursprünglich wollten sie die Zentrale des Militärgeheimdienstes ansteuern, in den Morgenstunden ließen sie jedoch davon ab. Das Militär hatte die Demonstranten eindringlich dazu aufgefordert, sich von Armeegebäuden fernzuhalten.

Nach Angaben eines Sprechers der Muslimbruderschaft starteten die Mursi-Unterstützer in der Nähe des Protestcamps in Nasr City im Norden Kairos, wo am Samstag Dutzende Menschen von Sicherheitskräften erschossen worden waren. Die Zentrale des Militärgeheimdienstes ist mehrere Kilometer davon entfernt.

"Opfern unser Blut und unsere Seelen für Mursi"
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters machten sich Tausende Menschen auf den Weg. Sie trugen Bilder Mursis und skandierten: "Wir opfern unser Blut und unsere Seelen für Mursi."

Die ägyptische Übergangsregierung hatte den Anhängern des entmachteten Präsidenten im Fall gewalttätiger Proteste mit Härte gedroht. Sollten die Demonstranten "ihr Recht auf friedliche und verantwortungsvolle Meinungsäußerung überschreiten", werde es "entschiedene und harte Maßnahmen" geben, erklärte der Nationale Verteidigungsrat am Sonntag. Das Gremium wird von Übergangspräsident Adli Mansour geleitet, auch Armeechef Abdel Fattah al-Sisi gehört ihm an.

Verteidigungsrat: "Gewalt sofort einstellen"
Der Rat forderte die in mehreren Protestcamps ausharrenden Mursi-Anhänger auf, "die Gewalt sofort einzustellen" und von jeglichen gewalttätigen Aktionen in Zukunft abzusehen. Innenminister Mohammed Ibrahim hatte zuvor angekündigt, die Proteste der Mursi-Anhänger würden von der Polizei demnächst gänzlich aufgelöst.

Präsident gibt Militär Freibrief zur Verhaftung von Zivilisten
Mansour hat außerdem seinem Regierungschef Hasem al-Beblawi die Befugnis übertragen, dem Militär die Verhaftung von Zivilisten zu erlauben. Praktisch bedeutet das, dass Beblawi dem Militär in künftigen Krisensituationen freie Hand geben kann, neben oder anstelle der Polizei Demonstranten oder Ruhestörer zu verhaften.

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