20.07.2013 16:47 |

Verbrechensbilanz

Immer mehr brutale Überfälle in eigenen vier Wänden

Licht und Schatten - so könnte man die aktuellste Sechsmonatsbilanz der heimischen Polizei umschreiben. Während die Raubüberfälle im ersten Halbjahr im Vergleich zu 2012 österreichweit weniger wurden, schlugen Einbrecher dafür umso öfter zu. Besonders beunruhigend: Kriminelle haben offenbar keine Scheu davor, ihren Opfern zu begegnen. Vor allem in Wien. Zudem unterstreicht nun ein Geheimbericht die traurige Spitzenposition der Bundeshauptstadt hinsichtlich der Verbrechensquote: So wurden kürzlich erst fast 1.000 Straftaten binnen vier Tagen registriert.

Das Positive vorneweg: In ganz Österreich wurden in den vergangenen sechs Monaten mit 1.582 Raubüberfällen um immerhin 209 weniger verübt als noch im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Nur im Burgenland, in Niederösterreich, in Salzburg und in der Steiermark waren leichte Anstiege zu verzeichnen.

Dennoch stehen die Kriminalisten derzeit einem beängstigenden Trend gegenüber: Immer öfter werden Menschen in ihren eigenen vier Wänden Opfer von Kapitalverbrechen - die Zahl der Überfälle in Häusern bzw. Wohnungen ist im Beobachtungszeitraum von 78 auf 115 gestiegen. Wobei allein in 75 Fällen die Bewohner der Bundeshauptstadt Wien betroffen sind.

Wiener Bezirk Favoriten als Hotspot
Und da ist laut Statistik wiederum Favoriten das heißeste Pflaster: In Wiens 10. Gemeindebezirk kam es im ersten Halbjahr zu mehr Raubüberfällen als im gesamten Bundesland Niederösterreich. Interessant: Vor allem an Montagen und Freitagen schlagen die Verbrecher laut Bilanz besonders gerne zu.

Die immer geringere Hemmschwelle der Kriminellen spiegelt sich aber auch in Sachen Einbrüche wieder. Nicht nur, dass es österreichweit im ersten Halbjahr einen Anstieg von 2.750 Coups gab - auch scheint es Einbrechern immer öfter egal zu sein, ob ihre Opfer zu Hause sind. Allein in den letzten drei Monaten stiegen Täter in 30 Wohnungen und Häuser in Österreich ein, obwohl die Bewohner offenkundig zuhause waren. Und auch da hat Wien die Nase vorne: 20 der 30 Coups wurden in der Bundeshauptstadt verübt.

Geheimberichte zeigt: 1.000 Delikte in vier Tagen
Ein Blick in die sonst geheimen Berichte der Polizei zeigt, was in der Metropole tatsächlich so alles passiert. Allein binnen vier Tagen ereigneten sich zuletzt fast 1.000 Straftaten - von Raub über Vergewaltigung sowie Einbruch bis hin zum Mordversuch. Die Berichte, die der "Krone" vorliegen, umfassen die Tage vom 20. Juni bis zum 23. Juni - und zeigen, dass etwa das Wiener Donauinselfest doch nicht so ruhig verlaufen ist, wie viele gerne hätten.

Von mehreren Raubüberfällen ist da zu lesen und etwa von dieser Vergewaltigung: Eine 18-Jährige zog sich in ein Gebüsch zurück, um ihre Notdurft zu verrichten, wurde von einem Unbekannten am Rücken liegend fixiert und sexuell missbraucht.

"Wien braucht ganz dringend Verstärkung"
Die Berichte machen Folgendes deutlich: In diesen vier Tagen wurden genau 953 Straftaten begangen. Vom Mordversuch - eine Messer-Attacke in einem Lokal in Wien-Ottakring - über Raubüberfälle bis hin zu Widerstand gegen die Staatsgewalt. Mit 288 Delikten war am Samstag, den 22. Juni, für die Polizei am meisten zu tun.

Die Berichte dokumentieren auch Auffälligkeiten und Trends. Zum Beispiel, dass etwa binnen 168 Stunden 214 Fahrräder gestohlen wurden. Oder dass in der gleichen Zeit allein in Floridsdorf 100 Diebstähle aller Art zu verzeichnen waren.

"Schon der Rechnungshof hat klar aufgezeigt, dass in den Ballungsräumen die Polizisten fehlen", erklärt FPÖ-Stadtrat David Lasar. "Auch Wien braucht ganz dringend Verstärkung, sonst wird sich die Kriminalität noch verschlimmern."

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