Die Belegschaft bei Emco Hallein ist frustriert. Hinter vorgehaltener Hand hört man von vier Betriebsversammlungen in den letzten Wochen. Immer wieder seien Ideen zu Sparmaßnahmen präsentiert worden: Anteile gegen Gehaltsabzüge. Verzicht auf kollektivvertragliche Lohnerhöhungen. Härtefallregelungen.
„Der Frust ist groß“, lässt ein Mitarbeiter wissen – denn bisher wurde nichts davon auf den Weg gebracht. Nun soll ein „Sanierer“ aushelfen: Die Eigentümerin – die Kuhn-Gruppe aus Eugendorf – setzt Andreas Tostmann ein, jahrelanger VW-Manager, jetzt Unternehmensberater. Bekannt wurde er als MAN-Manager: Bei der VW-Tochter Traton sollte er die Lastwagen-Firma auf Vordermann bringen. MAN verkaufte zwei Werke, eines davon in Steyr, und baute tausende Arbeitsplätze ab.
Berater erhält Zugriff auf alle Mitarbeiter
Nun schrieb die Kuhn-Familie an die Geschäftsführung: „In dieser schwierigen Situation, in welcher sich die Emco befindet, haben wir als Familie beschlossen, Herrn Andreas Tostmann als externen Berater zu engagieren.“ Er soll uneingeschränkte Einsicht und vollen Zugriff auf alle Mitarbeiter erhalten.
Emco-Geschäftsführer Markus Nolte dazu: „Familie und Geschäftsführung ziehen an einem Strang. Wir haben mehrere Berater, Tostmann ist ein kluger Kopf, er soll bei der Restrukturierung helfen. Das wurde gemeinsam beschlossen.“
Es gab bereits Personalabbau
Das Unternehmen sei in den letzten Jahren auf konstantem Niveau, aber nicht so stark gewachsen, wie erhofft. „Wir haben die Belegschaft bereits reduziert“, sagt Nolte. Zahlen will er keine nennen. „Wir hatten auch natürlichen Abgang, haben die Produktivität deutlich erhöht und das Ganze arbeitnehmerfreundlich gestaltet.“
Von den Mitarbeitern der Emco hört man, dass das Klima schlecht sei. Man fragt sich, warum man eventuell auf Gehälter verzichten soll, wenn man nicht weiß, ob man in drei Monaten noch einen Job hat.
Schon länger steht ein weiterer Personalabbau der 350 Beschäftigten im Raum. Nolte dazu: „Ich glaube, dass man sich in ganz Österreich derzeit nicht sicher sein kann, ob man in ein paar Monaten seinen Job noch hat. Wir haben an Wettbewerbsfähigkeit verloren und müssen diese zurückgewinnen.“
Hacker verursachten Systemabschaltung
Zudem kommt: Letzten Donnerstag wurde Emco Opfer eines Hackerangriffs. Zwei Tage standen die Systeme still. „Der Angriff hatte keine Auswirkungen. Wir haben jede Woche hunderte Hackerangriffe, dieser war ausgefeilter, wir haben die Systeme zwei Tage heruntergefahren und alles durchleuchtet – es ist kein Schaden entstanden“, erklärt Nolte.
Florian Koch, Regionalsekretär der GPA, sagt: „Wir beobachten die Vorgänge bei Emco mit Sorge und stehen den Betriebsräten zur Seite. Wir erwarten uns, dass alle Maßnahmen mit der Arbeitnehmervertretung abgesprochen werden. Emco ist ein Leitbetrieb, den es zu erhalten gibt.“
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