Katz-und-Maus-Spiel bis zuletzt. Befürchtete Konfrontation mit Roland Drexler blieb aus. 56-jähriger Doppelmörder tötete sich in einem Wald zwischen den Tatorten selbst.
„Es ist vorbei!“ – Samstagmittag beendete dieser Satz die fünftägige Hetzjagd nach dem Doppelmörder Roland Drexler zwischen Altenfelden und Arnreit. Der 56-jährige Amok-Jäger, der am Montag zwei Jagdleiter, mit denen er über Jahre im Streit gelegen war, erschossen hatte, wurde von einer Streife der Schnellen Interventionsgruppe in einem Wald zwischen den Tatorten mit seinem Gewehr am Boden sitzend tot aufgefunden.
Die befürchtete Konfrontation mit den bis zu 300 Einsatzkräften, die in der vergangenen Woche in der Umgebung alles abgesucht hatten, war er wider Erwarten nicht mehr eingegangen, doch bis zum Schluss hatte er ein perfides Katz-und-Maus-Spiel durchgezogen.
Denn das Auto, der silberne VW Caddy, war erst am Freitag, dem Allerheiligentag, in diesem Wald von einem Landwirt gefunden worden, der wegen Borkenkäfern nachsehen gegangen war. „Dieser Weg war aber definitiv von Kollegen abgefahren worden, und der Wagen stand vorher dort nicht“, sagt Barbara Riedl, Sprecherin der Polizei OÖ. „Wir gehen davon aus, dass Roland Drexler seinen Standort erst in den letzten Tagen verlegt hat, weil die Befragungen in seinem Freundeskreis intensiviert worden waren. Es könnte sein, dass er nervös geworden ist“, sagt Gottfried Mitterlehner, Leiter des Landeskriminalamts, kurz nach dem Auffinden des Gesuchten.
Die Arbeit geht weiter. Ein wesentlicher Punkt wird sein, wo sich Drexler in den letzten Tagen tatsächlich aufgehalten hat.
Gottfried Mitterlehner, Leiter des LKA OÖ
„Es gab mehr als 400 Hinweise“
Ein Zeuge hatte in der Nacht zum Freitag ein Auto in den Wald fahren sehen, es aber nicht als den Caddy erkannt – im Nachhinein ergab dieser Tipp jedoch Sinn. Bei einer ersten Durchsuchung des Wagens fanden Cobra-Beamte eines der zwei Gewehre, die Drexler neben einer Glock-Pistole auf seiner Flucht dabeihatte. Jetzt konzentrierte sich alles auf das Wäldchen in Partenreit, Gemeinde Arnreit. „Vorher gab es mehr als 400 Hinweise, und jeder wurde zu 100 Prozent abgearbeitet. Das war das Einzige, an das wir uns klammern konnten“, so Markus Vorderderfler, Chef der Einsatzabteilung und Einsatzleiter in Altenfelden.
ie Umstände deuten auf Suizid hin. Ich bin seit 41 Jahren bei der Polizei und habe noch nichts Vergleichbares erlebt.
Rudolf Keplinger, stv. Landespolizeidirektor
Am Freitag wurde der Wald umstellt, am Samstag waren rundherum gut sichtbar Polizeifahrzeuge aufgestellt. „Der Fokus war auf den Eigenschutz gerichtet. Wir sind von einem brandgefährlichen Menschen ausgegangen“, erklärt der interimistische Linzer Cobra-Chef Andreas Feilmayr, warum der Wald nicht „gestürmt“ worden ist. Ob Drexler schon am Freitag Suizid begangen oder sich erst am Samstag selbst getötet hat, wird die Obduktion am Montag in Salzburg ergeben – einen Schuss haben die Einsatzkräfte jedenfalls nie wahrgenommen.
Wo hielt sich der Doppelmörder versteckt?
Doch damit sind die Ermittlungen noch nicht zu Ende. Es gilt vor allem zu klären, wo sich Drexler von Montagvormittag bis Donnerstagabend versteckt und sein Auto untergestellt hatte. Die Fahnder sind sich sicher, dass es in unmittelbarer Umgebung gewesen sein muss – denn vor allem die Straßen waren rund um die Uhr observiert worden. Eventuell hatte jemand ihm für einige Tage Unterschlupf gewährt.
So endete die Jagd, der Liveticker vom 2. November zum Nachlesen:
Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person sich in einer psychischen Ausnahmesituation befinden oder von Suizid-Gedanken betroffen sind, wenden Sie sich bitte an die Telefon-Seelsorge unter der Telefonnummer 142. Weitere Krisentelefone und Notrufnummern finden Sie HIER.
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