Der Steirer Heinz Sailer (59) ist querschnittsgelähmt. Sein Resümee als langjähriger Vorsitzender des steirischen Behindertenausschusses fällt durchwachsen aus. Gerettet hätte ihn vor allem die Liebe.
„Die Liebe meiner Mutter hat mich gerettet“, sagt Heinz Sailer, wenn er an das Jahr 1983 zurückdenkt. Der damals 17-Jährige saß am 1. April auf der Rückbank eines Pkw, als es zu einem folgenschweren Unfall kam: Zwei Halswirbel brachen, seither sitzt der Steirer im Rollstuhl.
Keine Chance am Arbeitsmarkt
Traumatisch wäre aber weniger der Unfall gewesen, sondern vielmehr das, was danach kam: „Ich wollte Berufsfeuerwehrmann werden – das konnte ich abhaken. Also machte ich eine Lehre zum Bürokaufmann. Nur: Eine Chance am Arbeitsmarkt hatte ich nicht“, erzählt er.
Eine von vielen Hürden, die Betroffene nach wie vor von einem selbstbestimmten Leben trennt: „Man muss schon froh sein, wenn man auf eine Bewerbung überhaupt eine Rückmeldung bekommt“.
Früher war ich ,der Behinderte’, heute bin ich ein ,Mensch mit Behinderung’ – immerhin.
Heinz Sailer
Fortschritte bei Mobilität in Städten
2008 hat sich Österreich zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (und damit zu Inklusionsmaßnahmen) verpflichtet. Sailer saß fünf Jahre lang dem Monitoring-Ausschuss des Landes Steiermark vor. Sein Resümee: „Etwa bei der persönlichen Assistenz sind wir in der Steiermark gut aufgestellt, auch beim Behindertengesetz war die Steiermark Vorreiter. In Graz steht’s um die Mobilität heute gut, in den Regionen sieht es aber noch ganz anders aus.“
Oft wäre der Wille da, aber an der Umsetzung hapert es: „Es ist mir schon passiert, dass ein Hotelzimmer behindertengerecht ausgeführt war, ich aber mit dem Rollstuhl nicht durch die Tür gepasst habe. Oder dass das WC im Lokal zwar barrierefrei gebaut wurde, ich aber am Waschbecken nicht vorbeikam.“
Sailer ist parteifrei, unterstützt und berät mit seiner Expertise aber neuerdings die steirische KPÖ. Warum? „Weil es die einzige Partei ist, die für den kleinen Menschen greifbar ist und ehrliches Interesse an Inklusion zeigt. Denn bei wahrer Inklusion stehen wir noch am Anfang.“ Wie es ihm heute geht? „Gut. Ich habe das Glück, durch meine Frau Liebe zu erfahren.“
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