Eine Richterin im Landesgericht für Zivilrechtssachen in Wien will herausfinden, wie es in dem vollen Öffi-Bus vor einem Jahr zu der folgenschweren Verletzung des 12-jährigen Sporttalents kommen konnte. Offenbar stoppte die Türe beim Öffnen trotz Widerstandes nicht.
Ein ungewöhnlicher Unfall vom 18. September 2023 in Wien ist jetzt Thema im Landesgericht für Zivilrechtssachen. Sein Hergang sorgt auch beim Sachverständigen für Sorgenfalten. Larissa S., mehrfache Österreichische Jugendmeisterin im Kunstturnen, war mit Schulkollegen auf dem Weg ins Training.
Wie die „Krone“ berichtete, hielt sich die Zwölfjährige im Öffi-Bus 77A an der gelben Haltestange an. Als die Bustüre in einer Station aufging, verschob diese Larissas Arm, bis er schmerzhaft und kompliziert brach. „Der Bus war bombenvoll“, sagt das Mädchen im Prozess zur Richterin. Sie habe sich an der Stange angehalten, weil es keine Sitzplätze mehr gab und sie mit ihren 1,40 Metern zu klein für die Halteschlaufen sei.
Busfahrer war auf Geschehen draußen fokussiert
„In der zweiten Station ging die Türe auf und hat mir gegen den Ellenbogen gehaut. Dann hab ich gesehen, dass meine Hand nach unten hängt, und bin zusammengesackt. Ich habe noch nie solche Schmerzen gehabt.“ – Laut einem Sportkollegen ging die Türe in einem durch auf, stoppte nicht, als sie den Arm der Schülerin traf.
In der zweiten Station ging die Türe auf und hat mir gegen den Ellenbogen gehaut. Dann hab ich gesehen, dass meine Hand nach unten hängt, und bin zusammengesackt.
Larissa über den Unfall.
Dass der Bus stark überfüllt war, will der Fahrer als Zeuge nicht bestätigen. Er gibt an, dass er sich in den Stationen auf das Geschehen an der Haltestelle konzentrieren müsse: „Ich habe ganz normal aufgemacht und unmittelbar danach den Schrei gehört.“ Ob es beim Öffnen der Türe Sicherheitssensoren gebe, weiß er nicht.
Schild mit Aufschrift: „Auftritte freihalten“
Der Anwalt von Dr. Richard hat nur eine Frage an Larissa: „Hast du dich mit deinen Eltern über die Beförderungsbedingungen unterhalten?“ – Die talentierte Sportlerin sieht ihn fragend an. „Wir haben darüber gesprochen, dass man im Bus nicht herumschreien und sich benehmen soll.“
Im Vorfeld des Prozesses wies der Jurist auch auf ein Schild, das im Bus montiert sei, hin. „Auftritte freihalten“, ist darauf zu lesen. „Weißt du, was das heißt?“, fragt Larissas Anwalt Johannes Öhlböck. „Nein“, schüttelt sie ihren Kopf.
Der konkrete Bus wurde verkauft
Um Aufschlüsse über den Unfallhergang zu bekommen, gibt es am 10. Oktober eine Begehung. Allerdings: Den konkreten Bus gibt es nicht mehr. Er wurde verkauft.
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