Der Video-Lockvogel in der FPÖ-Affäre verrät erstmals Geheimnisse: „Die Welt muss von solchen Politikern erfahren.“
Auch mehr als fünf Jahre nach einem der größten heimischen Polit-Skandale wird von der Wiener Staatsanwaltschaft gegen die „schoafe Russin“ – so Heinz-Christian Strache in jener machtberauschten Nacht auf der spanischen Partyinsel – wegen Verdachts der Dokumentenfälschung ermittelt. Nachforschungen zur Herstellung des Videos in einer verwanzten Villa mit den damaligen blauen Granden Heinz-Christian Strache und Parteifreund Johann Gudenus wurden hingegen eingestellt.
Ibiza-Lockvogel war bei Videoübergabe dabei
Das Verhör der 41-jährigen Lettin Una S., die die vermeintliche russische Oligarchennichte „Alyona Makarova“ spielte, wurde durch den Staatssicherheitsdienst in der Hauptstadt Riga durchgeführt. Die Aussagen der geschiedenen und derzeit arbeitslosen Mutter sind durchaus interessant.
So gibt Una S. zu, bei der Videoübergabe an Journalisten mit dem Ibiza-Detektiv in Deutschland nahe der polnischen Grenze dabei gewesen zu sein: „Erst als ich dort angekommen bin und Julian Hessenthaler getroffen habe, habe ich von der Existenz des Videos erfahren. Die Journalisten wollten mich sehen, um sich zu überzeugen, dass ich eine reale Person bin.“ Hessenthaler hätte sie bereits drei Jahre vor dem Platzen der Affäre „ungefähr 2015 oder 2016“ in einer im Zentrum Wiens gelegenen Bar kennengelernt. Er hat den Eindruck eines einflussreichen Menschen erweckt.“ Den Tarnnamen Alyona habe Hessenthaler erfunden. „Aufgrund der mir zur Verfügung stehenden Informationen, kann ich mir vorstellen, dass er mich diesen Personen gegenüber als reiches russisches Mädchen ausgegeben hat.“
Welche Ämter diese bekleideten, habe sie nicht gewusst. Und was war das Ziel der Veröffentlichung der heimlich gemachten Aufnahmen? „Die Welt muss von solchen Politikern in Österreich erfahren!“
Finanzbewegungen über mehr als eine Million Euro
Sonst macht der bildhübsche Lockvogel mit dem einzig auffallenden Manko schmutziger Zehennägel auf ahnungslos. Was die Fahndung nach ihr, die mutmaßliche Dokumentenfälschung und eben auch die Herstellung des Videos angeht. „Ich habe niemals dafür Entgelt erhalten.“ Zu dieser Version passen freilich nicht die Kontoöffnungen bei Una S. Insgesamt wurden Finanzbewegungen in der Höhe von mehr als einer Million Euro (!) festgestellt.
Auch mindestens drei Überweisungen mit dem Text „Alyona Makarova Ibiza affair“. Jetzt geht es bei den Ermittlungen auch um Geldwäscheverdacht ...
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