Abrechnung mit Politik

Finanzielle Turbulenzen: Fünf „Jufas“ schließen

Steiermark
13.09.2024 16:00

„Die Politik hat uns im Stich gelassen“, zeigt sich Gerhard Wendl als Chef der steirischen Jufa-Gruppe schwer enttäuscht. Ausbleibende Covid-Hilfen in Millionenhöhe wären Hauptursache für die notwendige Verschlankung seines Unternehmens.

Familienurlaub zu einem leistbaren Preis in den schönsten Tourismusregionen: Das Jufa-Konzept hat lange Zeit funktioniert. Und tut es auch heute noch: „Die allermeisten Standorte laufen gut. Erst heuer haben wir sehr erfolgreich ein neues Haus in Radkersburg in Betrieb genommen. In Salzburg und im deutschen Mosel-Gebiet entstehen zudem gerade zwei neue Anlagen“, sagt Gerhard Wendl.

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René Benko hat für sein Chalet in Kitzbühel mehr Geld bekommen als wir für unsere gut 50 Standorte in Österreich zusammen. Das ist schon ein Wahnsinn!

Jufa-CEO Gerhard Wendl

18 Millionen Euro fehlen
Steigende Betriebskosten und höhere Zinsen hätten zuletzt dennoch für eine zusehends angespannte Situation gesorgt. Vor allem aber haben die coronabedingten Schließungen Spuren hinterlassen: „Bei den Covid-Wirtschaftshilfen fehlen uns 14,5 Millionen Euro im Vergleich zum Mitbewerb. Auf zweieinhalb Jahre gerechnet kommen wir samt Zinsen auf 18 Millionen Euro. Das ist nicht nichts“, sagt Wendl.

Bis zuletzt hätte man gekämpft – leider vergeblich: „Im August haben wir die definitive Information vom Finanzministerium bekommen, dass wir kein Geld kriegen. Das Problem sei, dass wir alle Mitarbeiter in einer Betriebsgesellschaft haben. René Benko hat für sein Chalet in Kitzbühel mehr bekommen, als wir für unsere 50 Standorte zusammen – das ist schon ein Wahnsinn.“

Konkret werden nun die Jufas in Seckau, Pöllau und Admont (Schloss Röthelstein) geschlossen, zudem die Kärntner-Standorte Bleiburg und Nockberge. Knappenberg hat bereits zu.

Dämpfer für Tourismus
Die regionalen Partner zeigen sich schwer betroffen: „Diese Nachricht trifft uns sehr. Immerhin reden wir von 60 Betten, die uns abhanden kommen. Und das in einer Region, in der es sonst nur ein paar kleine Privatvermieter gibt“, kommentiert Martin Rath, Bürgermeister von Seckau, die Entwicklungen.

Stefan Schindler, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Oststeiermark, ist ebenso geknickt: „Das Jufa in Pöllau wurde vor allem von Schülergruppen gerne genutzt, etwas Vergleichbares gibt es nicht. Nachdem bei uns die touristische Nachfrage groß ist, müssen wir alles versuchen, die Bettenanzahl in der Region zumindest zu halten.“

Mehr als 60 Standorte mit insgesamt 1400 Beschäftigten zählt die Jufa-Hotelgruppe heute. Betroffene Mitarbeiter können an andere Standorte wechseln. Wie es um die Nachnutzung der Liegenschaften steht? „Wir sind für alles offen“, sagt Wendl. Weitere Schließungen stünden übrigens nicht im Raum.

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