22.01.2013 09:47 |

Nach Säureanschlag

Bolschoi-Ballettchef wird wieder sehen können

Nach dem Säureanschlag auf den Chef des Moskauer Bolschoi-Balletts wird der 42-Jährige nach Einschätzung der Ärzte wieder sehen können. Der Zustand von Sergej Filin entwickle sich "sehr positiv", sagte die Ärztin Larissa Maschetowa am Dienstag im russischen Fernsehen. "Er gewinnt seine Sehkraft auf einem Auge schnell zurück. Wir hoffen aber sehr, dass sie am Ende auf beiden Augen zurückkehrt." Allerdings werde es "viel Zeit" benötigen, es seien noch mehrere Operationen nötig. Filin selbst gab sich "optimistisch und hoffnungsvoll".
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Laut der Medizinerin müssten Filin nun Teile der verätzten Gesichtshaut ersetzt werden, danach werde er erneut an der Hornhaut operiert.

"Manchmal kann ich alle Finger einer Hand sehen"
Der 42-Jährige selbst zeigte sich indes kämpferisch. "Ich verliere die Hoffnung nicht. Manchmal kann ich alle Finger einer Hand sehen, das macht mich optimistisch und hoffnungsvoll", sagte er am Dienstag der Zeitung "Komsomolskaja Prawda". "So wie ich das Ballett des Bolschoi-Theaters geführt habe, werde ich es fortführen." Bolschoi-Direktor Anatoli Iksanow erklärte, Filins Posten nur in Absprache mit dem Ballettchef übergangsweise zu besetzen.

Bei dem Attentat am vergangenen Donnerstag hatte ein maskierter Mann den Ballettchef mit Säure angegriffen. Der ehemalige Weltklassetänzer erlitt dabei schwere Verätzungen im Gesicht, am Kopf und an den Augen. Wie die Moskauer Behörden mitteilten, habe Vize-Regierungschefin Olga Golodez persönlich die Kontrolle über den Fall übernommen.

Behörden vermuten Machtkampf in Kulturszene
Als Motiv vermutet die Polizei einen Konkurrenzkampf in der Kulturszene der russischen Hauptstadt. Auch Filins Angehörige gehen offenbar von einem derartigen Hintergrund aus: "Irgendjemand will sich dafür rächen, dass Sergej im Bolschoi-Theater etwas aufbauen will", sagte der Schwiegervater des Opfers, Alexander Prorowitsch.

Der 42-jährige Filin steht seit knapp zwei Jahren an der Spitze der weltweit größten und berühmtesten Balletttruppe. Sein Posten gehört zu den einflussreichsten der Tanzwelt - und zu den umkämpftesten. "Es gab gegen Sergej ständig Drohungen, seit er diese Position übernommen hat", sagte die Sprecherin des Theaters, Katja Nowikowa.

Filin hat russischen Medien zufolge viele Neider. Er bestimmt die Tänzer für die Ballettrollen, was immer wieder zu Konflikten innerhalb der Truppe führt. "Wir hätten nie gedacht, dass dieser Krieg um die Rollen solch ein kriminelles Niveau erreichen kann", so Nowikowa weiter. Zuletzt sei auch Filins Internetseite gehackt und mit Beleidigungen übersät worden. Zudem seien seine Autoreifen zerstochen worden.

Bolschoi-Intendant Anatoli Iksanow verurteilte den Anschlag: "Ich bin zu hundert Prozent sicher, dass dies mit Filins beruflicher Tätigkeit zu tun hat", sagte Iksanow dem russischen Staatsfernsehen. "Er ist ein prinzipienfester Mensch und geht keine Zugeständnisse ein. Wenn er den einen oder anderen Künstler für nicht reif für eine Partie hält, verwehrt er ihm den Auftritt." Vor seiner Beförderung zum Ballettchef war Filin selbst ein Tänzer von Weltrang im Bolschoi-Ensemble. Als Solist absolvierte er auch einige Gastauftritte an der Wiener Staatsoper.

Bolschoi-Theater als Wiege des klassischen Balletts
Die Geschichte des Bolschoi-Theaters reicht rund 200 Jahre zurück. 2011 wurde der historische Säulenbau am Moskauer Theaterplatz nach sechsjähriger Totalsanierung im alten Zarenglanz wieder eröffnet. Das Haus gilt als Wiege des klassischen Balletts mit makellosem Spitzentanz, athletischer Sprungkraft und streng synchronen Bewegungen. Die Balletttruppe hat mehr als 200 Tänzer und damit so viele wie keine andere der Welt.

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