Ob Kleiner Brauner, Eisstanitzel oder Haarschnitt, auch für Rechnungen über ein paar Euro müssen Geschäfte seit der Einführung der Registrierkassenpflicht einen Beleg ausstellen. Viele Branchen wollen nun, dass dies erst ab 30 Euro verpflichtend ist. Damit soll der große Aufwand für die Bürokratie sinken.
Die meisten von uns schauen den Kassazettel nach einem kleinen Einkauf oder dem Besuch beim Wirten gar nicht an und werfen ihn gleich weg. Gut 70 Prozent aller Zahlungen betreffen solche Rechnungen von unter zehn Euro. In Summe aber werden im Jahr etwa 560.000 Kilometer an Bons nur für diese Kleinbeträge gedruckt. Dafür seien 2950 Tonnen Holz oder 2000 Fichtenbäume notwendig – alleine umweltmäßig nicht gerade sinnvoll, rechnet der Wirtschaftsbund. Die Geschäftsleute stört allerdings vor allem der bürokratische Aufwand, 57 Prozent von ihnen wollen laut Umfrage die Abschaffung der generellen Belegspflicht und nur noch ab 30 Euro zwingend eine Rechnung schreiben. Seit der Einführung der elektronischen Registrierkassen 2016 seien die Umsätz ohnehin für die Steuerbehörden transparent. Die damals mit beschlossene Verpflichtung, immer eine Rechnung auszustellen, wäre daher unnötig und lästig. Auch 56 Prozent der Bevölkerung seien für das Aus der Zettelwirtschaft, sagt der Wirtschaftsbund. Immerhin müssen Konsumenten laut Gesetz eigentlich die Rechnung bis zum Verlassen des Geschäfts aufheben – es könnte ja draußen noch eine Kontrolle der Finanz stattfinden.
560.000 Kilometer an Kassenzetteln im Jahr
Tieferer Hintergrund der aktuellen Initiative gegen die Papierflut ist allerdings, dass sich die Betriebe insgesamt von zuviel Bürokratie erdrückt fühlen. Große Firmen könnten sich mittlerweile z. B. mit Rechnungen über eine Handy-App Geld und Zeit sparen, die Kleinen bleiben auf der Papierwirtschaft sitzen.
„Wir wollen unsere Arbeit machen, und das bestmöglich, und Punkt,“ fordert etwa Renate Scheichelbauer-Schuster, Wirtschaftskammer-Vetreterin der heimischen Gewerbe- und Handwerksbetriebe.
Bürokratie kostet Gewerbe und Handwerker 4,3 Milliarden Euro
Laut einer neuen Studie müssen alleine diese Branchen im Jahr mehr als 69 Millionen Arbeitsstunden für bürokratische Aufgaben aufwenden. Das entspricht der Arbeit von 42.190 Vollzeit-Beschäftigten oder insgesamt 6,6 Prozent der gesamten Personalkapazität. In Zeiten des Fachkräftemangels sei das nicht mehr tragbar, so Scheichelbauer-Schuster. Und die Vorschriften werden nicht nur ständig mehr, sonder auch teurer. Bereits 2,6 Milliarden Euro kostet der Verwaltungsaufwand intern, also vor allem an Arbeitszeit. Dazu kommen Kosten für Steuerberater, Lohnverrechner usw. von weiteren 1,7 Milliarden. Diese zusammen 4,3 Milliarden Euro „fressen“ schon 3,3 Prozent des gesamten Gewerbe-Umsatzes von knapp 130 Milliarden Euro.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.