„Stiller Stress“
Koala-Kuscheln im Großteil Australiens verboten
In den meisten Bundesstaaten Australiens ist es nicht mehr erlaubt, mit Koalas zu kuscheln. Ausnahmen sind Queensland und South Australia, wo aber strenge Regeln gelten und schnell mal umgerechnet mehr als 70 Euro pro Person zu zahlen sind.
In Queensland bekommt jedes Tier nach maximal drei Tagen Kuscheln wieder einen Ruhetag. Nur ausgebildete Pflegerinnen und Pfleger dürfen die Tiere einer anderen Person in den Arm legen und sie von dort wieder entfernen. Zudem darf ein Koala maximal eine halbe Stunde pro Tag für touristische Zwecke aus seiner natürlichen Umgebung entfernt werden, keinesfalls mehr als drei Stunden pro Woche.
Putin und Obama hielten Koalas
Eine Top-Adresse für Kontakte mit den Eukalyptus-Fressern war jahrelang das Lone Pine Koala Sanctuary im tropischen Queensland. Dort reisten unter anderem Staats- und Regierungschefs wie der ehemalige US-Präsident Barack Obama und der russische Präsident Wladimir Putin, aber auch Sängerin Taylor Swift und Tennisspieler Roger Federer hin. Nun hat sich das Schutzzentrum allerdings dem Verbot angeschlossen, das bereits in weiten Teilen Australiens gilt.
Bei manchen Menschen ist die Enttäuschung groß. „Ich werde nicht mehr hingehen, wenn ich keinen Koala mehr knuddeln kann“, sagte etwa eine regelmäßige Besucherin. Ganz verzichtet werden muss auf den Kontakt aber nicht. Tierfreundinnen und Tierfreunde können den Koalas jetzt aus nächster Nähe beim Fressen, Schlafen und Entspannen zusehen.
20 Stunden Schlaf pro Tag
Ob die Interaktionen mit den Besucherinnen und Besuchern den Tieren schaden, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. In freier Wildbahn schlafen die Tiere etwa 20 Stunden am Tag. Sie haben einen sehr langsamen Stoffwechsel und sparen durch ihren Lebensstil Energie, nachdem sie schwer verdauliche Eukalyptusblätter gegessen haben.
„Aber manche nahen Begegnungen zwingen sie dazu, stundenlang wach und aktiv zu sein. Das Kuscheln, Halten oder Fotografieren eines gefangenen Koalas verursacht ihm stillen Stress“, kritisiert die Tierschutzorganisation World Animal Protection mit Sitz in London. Sie hat eine Petition ins Leben gerufen, die ein komplettes Verbot des Kuschelns mit Koalas in Queensland fordert und die Öffentlichkeit bittet, entsprechend Druck auf die Regierung auszuüben.
Aber manche nahen Begegnungen zwingen sie dazu, stundenlang wach und aktiv zu sein. Das Kuscheln, Halten oder Fotografieren eines gefangenen Koalas verursacht ihm stillen Stress.
Tierschutzorganisation World Animal Protection
Diese entgegnet jedoch, dass die Vorgaben bereits sehr streng sei und sie keinen Handlungsbedarf sehe. In vielen anderen australischen Bundesstaaten ist das Kuscheln zwar verboten, Berührungen sind jedoch erlaubt. „Die Handhabung von Koalas durch die Öffentlichkeit ist auf das Tätscheln, Streicheln und Anschmiegen beschränkt, wobei nur ein Arm um den Koala gelegt werden darf, während das Tier auf einem festen Untergrund sitzt“, heißt es etwa aus New South Wales. Die dortige Regelung gilt bereits seit 1995.







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