Wurde aber ignoriert

Bericht: Geheimdienst in Israel kannte Hamas-Pläne

Ausland
18.06.2024 15:25
Porträt von krone.at
Von krone.at

Mehr als zwei Wochen vor dem groß angelegten Terrorangriff der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober gab es laut einem Medienbericht deutliche Warnungen des israelischen Militärgeheimdienstes. Diese wurden aber offenbar ignoriert. Israels Armee prüft den Bericht.

Am 19. September 2023, zwei Wochen vor dem Überfall der Hamas wurde innerhalb der Gaza-Division, der Einheit der israelischen Armee, die an der Grenze zum Gazastreifen operiert, ein Brief verbreitet. Darin beschrieben Soldaten der angesehenen Elite-Geheimdiensteinheit 8200 das Training der Hamas, um Militärbasen und zivile Ortschaften anzugreifen, berichtet der öffentlich-rechtliche Sender Kan.

Vorgesetzte beachteten Warnungen nicht
Auch vor Plänen der palästinensischen Terrorgruppe, 200 bis 250 Israelis zu entführen, darunter Frauen und Kinder, sei gewarnt worden. Die Warnungen seien jedoch von den Vorgesetzten ignoriert worden. In der Gaza-Division sei man davon ausgegangen, dass im schlimmsten Fall mehrere Dutzend Terroristen an drei Stellen nach Israel vordringen könnten. Ein israelischer Armeesprecher sagte am Dienstag, man prüfe den TV-Bericht.

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Niemand hat auf den Tisch gehauen und Alarm ausgerufen.

Ein Militärkorrespondent des israelischen Senders Kan

Ein Militärkorrespondent von Kan erklärte: „Das Sicherheitssystem strebte damals nach einer Befriedung des Gazastreifens, mithilfe einer Verbesserung der Lebensumstände der Zivilbevölkerung, Arbeitsgenehmigungen für Palästinenser und der Aufhebung von Warenbeschränkungen.“ Vor dem 7. Oktober habe die Armee sich auf die Sperranlage an der Grenze zum Gazastreifen verlassen, die bis tief in die Erde reicht.

„Am 7. Oktober ist alles zusammengebrochen“, sagte der Korrespondent. Ranghohe Mitglieder der Gaza-Division hätten offenbar mit Geringschätzung auf die Geheimdienstwarnungen reagiert. „Niemand hat auf den Tisch gehauen und Alarm ausgerufen.“

„Ich möchte am liebsten weinen und fluchen“
Ein Soldat, der an der Ausarbeitung des Dokuments beteiligt gewesen sei, habe angesichts des Massakers am 7. Oktober rückblickend geschrieben: „Ich möchte am liebsten weinen, schreien und fluchen.“ Der Kommandant der Gaza-Division hatte vor gut einer Woche seinen Rücktritt erklärt. „Am 7. Oktober bin ich an der Aufgabe meines Lebens, das Gaza-Grenzgebiet zu schützen, gescheitert“, schrieb Brigadegeneral Avi Rosenfeld.

Im April hatte bereits der Chef des Militärgeheimdienstes, Aharon Chaliva, seinen Rücktritt erklärt. Auch Israels Verteidigungsminister Joaw Galant und der Chef des Inlandsgeheimdienstes, Ronen Bar, hatten Verantwortung dafür übernommen, dass der blutige Terrorangriff mit mehr als 1200 Toten und mehr als 250 Entführten passieren konnte. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat dagegen noch keine persönliche Verantwortung übernommen. Zuletzt waren die Spannungen zwischen der politischen und militärischen Führung Israels im Streit um die Schuldfrage deutlich gestiegen.

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