Di, 14. August 2018

Weißes EU-Parlament

27.11.2012 14:41

Bauern protestieren mit 'Milch-Kanonen' gegen EU-Politik

Tausende Milchbauern aus zahlreichen Mitgliedstaaten der EU - darunter auch rund 60 Landwirte aus Österreich - haben sich am Montag in Brüssel teilweise gewaltvolle Scharmützel mit einem massiven Aufgebot an Polizei geliefert. Die erzürnten Landwirte, die mit Hunderten Traktoren vorgefahren waren, protestierten gegen die aus ihrer Sicht zu niedrigen Milchpreise. Dabei kamen neben Feuerwerkskörpern auch "Milch-Kanonen" zum Einsatz. Am Dienstag gingen die Proteste weiter.

Demonstranten zündeten Kerzen an, um der 157.000 Betriebe in 17 europäischen Ländern zu gedenken, die nach Angaben des European Milk Boards, einer Verenigung mehrerer europäischer Milcherzeuger, seit 2009 aus finanziellen Gründen schließen mussten. Zahlreiche der rund 800 Traktoren blockierten zudem die Zufahrt zum Sitz der EU-Kommission. Polizisten bezogen Stellung und sicherten das Gebäude.

Am Montag hatten sich tumultartige Szenen und teilweise gewaltvolle Scharmützel zwischen den protestierenden Landwirten und der Polizei abgespielt. Dabei kamen "Milch-Kanonen" der wütenden Bauern zum Einsatz, mit welchen sowohl Polizisten als auch das EU-Parlamentsgebäude, in dem sich zu dem Zeitpunkt der Agrarausschuss traf, beschossen wurden. Das Abgeordnetenhaus wurde großflächig mit Frischmilch besprüht. Heiß ging es zu, als ein mit Heu beladener Anhänger angezündet wurde. Über Verletzte gab es keinerlei Berichte.

Feldhofer: "Milchpreise weit unter Produktionspreisen"
"Die Politik bringt uns um", brachte Julian Husquet, ein Landwirt aus Belgien, seinen Unmut am Rande der Proteste zum Ausdruck. Die Bauern, die vorwiegend aus den Niederlanden, Deutschland und Frankreich angereist waren, fordern, dass nach dem Auslaufen des EU-Quotensystems im Jahr 2015 eine flexible Mengensteuerung im Milchmarkt in Form einer Monitoringstelle errichtet wird.

"Die Milchpreise liegen weit unter den Produktionspreisen. Die Situation der Bauern ist sehr dramatisch, sie stehen mit dem Rücken zur Wand", bekräftigte Erna Feldhofer, Obfrau der IG Milch in Österreich, am Montag. Durchschnittlich liegt der Produktionspreis in Österreich bei 78 Cent, für Bergbauern beträgt er über einen Euro.

Laut Agrarmarkt Austria (AMA) erhielten die Milchbauern zuletzt im Schnitt knapp 35 Cent (inklusive Umsatzsteuer) pro Kilogramm gelieferter Milch. Die Anzahl der seit dem EU-Beitritt zugesperrten Betriebe in Österreich habe mittlerweile eine "erschreckende" Dimension erreicht.

EU-Agrarministerrat berät ab Mittwoch über Milchmarkt
Die europäischen Landwirtschaftsminister wollen bei ihrem Treffen am Mittwoch und Donnerstag über die Lage auf dem Milchmarkt beraten.

Unterdessen drückte der Sprecher des EU-Agrarkommissars Dacian Ciolos Verständnis für die Sorgen der Demonstranten aus: "Es ist wahr, dass Kostenfaktoren - vor allem Tierfutter und Energie - besonders hoch sind und einen negativen Einfluss auf die Profitabilität haben." Die Milchpreise seien jedoch höher als bei der letzten Krise 2009 und würden derzeit zudem steigen.

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