Erstmals nach der großen Inflationswelle hat die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag ihren Leitzins reduziert. Er wurde – wie von Experten erwartet – um 0,25 Punkte auf 4,25 Prozent gesenkt. Der Schritt gilt als historisch, ist er doch die erste Zinssenkung seit März 2016. Die EZB ist damit mit ihrer Zinswende schneller als die US-Notenbank Fed. Fraglich ist, wie die EZB weiter vorgehen wird.
Zugleich wurde der am Finanzmarkt maßgebliche Einlagensatz von 4,0 auf 3,75 Prozent herabgesetzt. Die meisten Fachleute rechnen aber nicht mit einer raschen Serie weiterer Lockerungen, sondern mit einem vorsichtigen Kurs. An den Anleihemärkten werden ein oder zwei zusätzliche Reduzierungen bis zum Jahresende erwartet.
In den vergangenen Wochen hatte bereits eine Reihe von Währungshütern die Ansicht geäußert, die Zinssitzung im Juni könnte der geeignete Startpunkt für die Zinswende sein. Denn das Lohnwachstum, das zuletzt einer der stärksten Inflationstreiber im Euroraum war, hat sich zuletzt etwas abgeschwächt.
Seit dem September 2023 hielt die EZB den Einlagensatz, den Geldhäuser erhalten, wenn sie bei der Notenbank überschüssige Gelder parken, auf dem Rekordniveau von 4,0 Prozent. Der Leitzins, zu dem sich Banken frisches Geld bei der EZB besorgen können, betrug 4,5 Prozent.
Wichtiges Signal für die Wirtschaft
Die EZB hat das Ziel, dass sich die Inflationsrate in der Eurozone mittelfristig auf zwei Prozent einpendelt. Zuletzt lag die Inflation in der Eurozone bei 2,6 Prozent.
EZB erhöht die Inflationserwartung
Allerdings hat die EZB ihre Inflationserwartung für heuer und 2025 etwas nach oben schrauben müssen. Sie geht nun von 2,5 Prozent Teuerung im laufenden Jahr, statt von 2,3 Prozent aus. 2025 soll der Preisauftrieb mit 2,2 Prozent weiter über dem Zielwert liegen, bisher war die EZB von zwei Prozent ausgegangen. Für 2026 werden nach wie vor 1,9 Prozent erwartet.
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