Roman von Gerhard Roth

Eine „Jenseitsreise“ als literarischer Abschied

Steiermark
26.05.2024 15:00

Als Gerhard Roth im Februar 2022 verstarb, schrieb er gerade an einem neuen Roman – er wusste wohl selbst, dass es sein letzter werden würde. Er konnte die Arbeit zwar nicht mehr vollenden, dennoch erscheint seine „Jenseitsreise“ kommende Woche in Buchform. Es ist das berührende Vermächtnis eines großen Autors. 

Die Literatur war für Gerhard Roth stets der Ort der größten Freiheit. Alles und jeden konnte sich der steirische Autor in seinem Schreiben imaginieren – und dieser Freiheit ist er bis zuletzt nachgegangen: In vier Schreibbüchern hat er seinen letzten, unvollendeten Roman hinterlassen, in dem er eine Reise ins Jenseits unternommen hat.

Literarischer Tod vor dem realen Tod
Dafür musste er vor seinem drohenden realen Tod, einen literarischen Tod vollziehen: „Ich war aus der Welt geflüchtet, in der ich meine Einsamkeit nicht länger ertragen hatte, die Sinnlosigkeit, das Verstummen der Menschen und das Fehlen von Liebe“, lässt er sein Alter Ego Franz Lindner am Beginn seiner „Jenseitsreise“ sagen.

Der letzte Roman des großen Steirers: „Jenseitsreise“ (416 Seiten, 26,80 Euro)
Der letzte Roman des großen Steirers: „Jenseitsreise“ (416 Seiten, 26,80 Euro)(Bild: S.Fischer)

Diese Reise führt Lindner nach Kairo – wo er stets an der Grenze zwischen Realität und Fantasie, zwischen Vergangenheit und Gegenwart wandelt. So trifft er dort etwa auch auf längst verstorbene Künstlerkollegen – von Franz Kafka über Stefan Zweig bis Thomas Bernhard – und erlebt mit ihnen skurrile aber auch berührende Momente. Immer wieder geht es dabei um die Frage, wie das Jenseits eigentlich aussehen könnte, aber auch um die Frage wie Kunst und Kultur dem Tod begegnen.

Ungezügelte Kreativität bis zuletzt
Das Resultat ist eine spielerisch kreative, aber zugleich auch sehr ernsthafte und tiefgehende Beschäftigung mit dem Jenseits. Und das Buch ist auch ein verblüffender Ausdruck von Roths ungezügelter Kreativität, die ihn offensichtlich bis zu seinem traurigen Ende nie verlassen hat. Und in gewisser Form lebt er mit dieser „Jenseitsreise“ als finalem Akt seines Schaffens, ja auch weiter. 

Das Buch ist ab 29. Mai im Handel, am 3. Juni wird es bei einem Abend in Grazer Literaturhaus präsentiert: Johannes Silberschneider liest aus „Jenseitsreise“, im Anschluss gibt es ein Gespräch mit Roth-Expertin Daniela Bartens und seiner Witwe Senta Roth.

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