21.09.2012 11:04 |

Nach 37 Jahren

D: Terror-Prozess um Wiener OPEC-Anschlag gestartet

Fast 37 Jahre nach dem blutigen Anschlag auf die Wiener OPEC-Konferenz mit drei Toten hat am Freitag in Frankfurt der Prozess gegen zwei mutmaßliche frühere Mitglieder der linksextremen Revolutionären Zellen begonnen. Die 79-jährige Sonja Suder (Bild links) muss sich wegen Mordes verantworten. Ihr wird zudem gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten (Bild rechts) vorgeworfen, an Sprengstoff- und Brandanschlägen in Deutschland beteiligt gewesen zu sein. Die beiden waren 1978 nach Frankreich geflohen und 2011 in die Bundesrepublik ausgeliefert worden.

Terroristen unter der Führung des Venezolaners Ilich Ramirez Sanchez alias "Carlos" hatten im Dezember 1975 das Hauptquartier der Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC) in Wien überfallen und Dutzende Geiseln, darunter elf Minister, in ihre Gewalt gebracht. Bei dem Anschlag kamen drei Menschen, ein österreichischer Polizist, ein irakischer Sicherheitsmann und der libysche Delegierte, ums Leben.

Die Terroristen flohen mit ihren Geiseln mit einem gekaperten Flugzeug von Wien-Schwechat über Algerien in den Nahen Osten. Dort ließen sie die Geiseln frei, die Täter konnten unbehelligt nach Libyen ausreisen. Als Drahtzieher des Anschlags wird der im Vorjahr getötete libysche Diktator Muammar al-Gadafi vermutet.

Angeklagte soll Waffen für Anschlag geliefert haben
Die nun in Frankfurt angeklagte Sonja Suder soll an der Vorbereitung des OPEC-Anschlags beteiligt gewesen sein. Laut Anklage soll sie Waffen und Sprengstoff besorgt und von Frankfurt nach Wien transportiert haben. Die Staatsanwaltschaft wirft der heute 79-Jährigen dreifachen Mord und einen Mordversuch vor.

Im Vorfeld des Wiener Anschlags soll Suder zudem den Terroristen Hans-Joachim Klein rekrutiert haben, der später im Prozess als Kronzeuge aussagen soll. Klein war 2001 wegen des Anschlags zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Zwei Jahre später wurde er auf Bewährung entlassen, 2009 schließlich begnadigt. Er hatte in seinem Prozess von der Kronzeugenregelung profitiert und auch Hinweise auf Suder gegeben.

Der zweite Angeklagte, der 71 Jahre alte Christian Gauger, soll für Anschläge auf Fabriken in Nürnberg und dem pfälzischen Frankenthal sowie auf das Heidelberger Schloss verantwortlich sein, bei denen zwischen 1975 und 1978 erheblicher Sachschaden entstand. Mit dem OPEC-Attentat hat der Schwerkranke laut Anklage hingegen nichts zu tun.

Ein halbes Leben lang auf der Flucht
Für Suder und Gauger endet vor dem Frankfurter Landgericht eine Flucht, die fast ihr halbes Leben dauerte. Die zwei betagten Angeklagten kehren damit nach langer Zeit nach Frankfurt zurück. Sie waren 1978 Richtung Frankreich geflohen und im September vergangenen Jahres von Frankreich aus den deutschen Justizbehörden übergeben worden.

Die Schwurgerichtskammer verhandelt wegen des Gesundheitszustands Gaugers nur höchstens drei Stunden pro Tag. Der Prozess wird sich deshalb erheblich in die Länge ziehen - schon jetzt hat das Gericht 39 Fortsetzungstermine bis zum 26. März des nächsten Jahres festgesetzt.

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