Preiskampf im Handel:

Brauerei-Chef: „Das Bier ist viel zu billig“

Wirtschaft
14.04.2024 11:47

Zwar stöhnen viele, weil ein Bier in der Gastronomie oft schon fast sechs Euro kostet, doch in Supermärkten wird der Gerstensaft weiterhin verschleudert. „Bier wird zu 75 Prozent in Aktion verkauft, Tendenz steigend“, so Tobias Frank, technischer Geschäftsführer der Ottakringer Brauerei, zur „Krone“.

Der Aktionsanteil ist bei Bier generell über die Jahre gestiegen. Häufig gibt es die Dose um minus 50 Prozent, also „um 59 Cent aufwärts“, so Frank, der betont: „Aus Sicht einer Brauerei ist Bier viel zu billig, denn es ist ein landwirtschaftliches Produkt. Es dauert ein Jahr, bis die Gerste vom Feld in Form von Bier im Glas ist. Das gehört wertgeschätzt.“

Die Preise beim Wirten sind bereits recht stolz – die Supermärkte setzen die Brauereien aber unter Druck. (Bild: Markus Wenzel)
Die Preise beim Wirten sind bereits recht stolz – die Supermärkte setzen die Brauereien aber unter Druck.

Die höheren Kosten kann Ottakringer nicht in vollem Umfang weitergeben
Ein Preis von 59 Cent sei „für die Bierkultur nicht gut“, wirtschaftlich „an der Grenze“ und nur möglich, weil sich Hersteller und Händler den Rabatt teilen. Zugleich leiden die Brauereien aber unter den Kostensteigerungen. Frank: „Wir können die höheren Kosten nicht in vollem Umfang an die Konsumenten weitergeben und versuchen, es über Effizienz abzufedern.“ Das gelingt nur bedingt, denn die Betriebsergebnisse der letzten Jahre waren negativ.

Tobias Frank, technischer Geschäftsführer und 1. Braumeister bei Ottakringer (Bild: Martin Jöchl)
Tobias Frank, technischer Geschäftsführer und 1. Braumeister bei Ottakringer

Für die höheren Preise in der Gastronomie hat Frank Verständnis: „Das ist ein anderes Konzept, dort gibt es Service und man bekommt frisches Fassbier, das frischeste Bier überhaupt. Die Gastronomie hat auch hohe Kosten für Miete, Personal etc.“

Ottakringer ist in Österreich laut eigenen Angaben nach der Brau Union (Gösser etc.) und Stiegl die Nummer drei. Marktführer ist man in der Wiener Gastronomie. Der Umsatz von 61 Millionen Euro im Jahr 2022 stieg im Vorjahr zwar, die produzierte Menge von 426.000 Hektoliter ging aber zurück.

Die Ottakringer Brauerei im 16. Wiener Bezirk konnte den Umsatz 2023 steigern, die Absatzmenge ist aber gesunken. (Bild: The Guardians of Social Media)
Die Ottakringer Brauerei im 16. Wiener Bezirk konnte den Umsatz 2023 steigern, die Absatzmenge ist aber gesunken.

Bei den jüngeren Biertrinkern sind leichtere Sorten gefragt
Wachsen will Frank dank Innovationen. Frank: „Vor allem bei der jüngeren Zielgruppe sind leichtere Biere gefragt. So hat unser Ottakringer Lager nur 4,7 Prozent Alkoholgehalt statt 5,3 Prozent beim klassischen Märzenbier.“

Den Gastrokunden bietet Ottakringer jetzt ein besonders Service: Bier direkt aus dem Tank. Frank: „Das ist das frischeste, es ist nicht einmal in Fässern zwischengelagert. Es kommt somit direkt aus der Brauerei in die Gastro.“ 30 Kunden gibt es schon in Wien, darunter das bekannte „Bermudabräu“.

Mit neuen Sorten will das Unternehmen die Umsätze weiter steigern. (Bild: The Guardians of Social Media)
Mit neuen Sorten will das Unternehmen die Umsätze weiter steigern.

Mit Blick auf die Gastronomiepartner hofft Frank, dass sich das zuletzt warme Wetter fortsetzt: „Die Schanigartensaison geht gerade erst los. In dem halben Jahr von April bis September machen wir unser Hauptgeschäft.“

Eine Dose ist wie ein kleines Fass – das ist für die Bierqualität am besten
Als 1. Braumeister weiß Frank auch, ob das Bier in der Dose oder in der Flasche besser ist: „Die Dose ist lichtdicht und sehr leicht, wie ein kleines Fass – und das ist für die Bierqualität am besten. Auch der ökologische Fußabdruck der Dose ist besser als bei einer Einwegflasche, denn sie besteht größtenteils aus recyceltem Aluminium.“

Frank weist darauf hin, dass Ottakringer auch sonst sehr auf die Nachhaltigkeit achtet: „Wir legen auf Regionalität Wert und bauen in Wien mit 15 Landwirten auf 105 Hektar Braugerste an. Es sind über 500 Tonnen Gerste, die wir am Stadtrand von Wien – in Oberlaa, Floridsdorf und Donaustadt – anbauen.“

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