14.08.2012 14:41 |

Auch bei Futter

Schimpansen und Bonobos ist unfaire Verteilung egal

Wie deutsche Forscher herausgefunden haben, scheinen Schimpansen und Bonobos kein Empfinden für fair und unfair zu haben. Wenn sich ein Affe in einem Experiment mehr als die Hälfte einer Portion Weintrauben sichert, ist das dem zweiten Affen offenbar egal, Hauptsache, er bekommt überhaupt etwas. Damit unterscheiden sich beide Arten deutlich vom Menschen, der sich jede Menge Gedanken um sein Verhalten gegenüber anderen macht.

"Fairness ist ein wichtiger Bestandteil menschlicher Sozialität. Um herauszufinden, wie sich diese im Laufe der Evolution entwickelte, stellten wir Schimpansen und Bonobos vor eine neue Aufgabe, die auf dem klassischen Ultimatum-Spiel basiert", sagt Studienleiter Keith Jensen vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

An den Tests nahmen jeweils zwei Affen derselben Art teil. Dabei konnte ein Tier - der "Bestimmer" - dafür sorgen, dass es von insgesamt zehn Weintrauben entweder acht oder fünf bekam. Der Rest fiel an das zweite Tier, das in die Entscheidung des ersten nicht eingreifen konnte. Vergleichbare Tests wurden auch mit Menschen durchgeführt. Wenn hier statt der gerechten Hälfte der zehn Weintrauben, Kekse, Äpfel oder Geldstücke ein kleinerer Anteil angeboten wird, lehnt der Mensch oft alles ab - zu ungerecht erscheint dem machtlosen Mitspieler die Verteilung.

Affen akzeptieren alle Angebote
Nicht so bei den Affen, berichten die Forscher. Wenn ein Tier die Möglichkeit hatte, mehr als die Hälfte zu nehmen, wurde diese durchweg genutzt. Dabei nahmen die Affen in Kauf, dass ihr Gegenüber deutlich weniger erhielt. Der zweite Affe akzeptierte dennoch alle Angebote des "Bestimmers". "Weder für Schimpansen noch für Bonobos schien es wichtig zu sein, ob Nahrung gestohlen wurde oder ob das jeweilige Ergebnis fair war - solange sie überhaupt etwas erhielten", ergänzte Jensen.

Zur Erklärung schreiben die Wissenschaftler, dass die Tiere womöglich gar nicht das Gefühl haben, zu kurz zu kommen oder zu viel an sich zu nehmen, weil sie das Konzept des Besitztums nicht kennen. Der "betrogene" Affe nimmt daher klaglos alles an, was er bekommt. Beide Affenarten handelten als "rationale Maximierer".

"Möglicherweise kann nur der Menschen Fairness emfpinden"
Die große Mehrzahl der am höchsten entwickelten Primaten - also der Menschen - handelt weitaus umsichtiger und überlegt, welche Ungerechtigkeiten er mit seinem Tun anrichtet. Jensen sagte: "Das Empfinden für Fairness ist also möglicherweise eine dem Menschen vorbehaltene Eigenschaft." Veröffentlicht wurden die Ergebnisse der Studie in den "Biology Letters" der britischen Royal Society.

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
VAR, CL-Hymne und Co.
Viele Premieren für das stolze Fußball-Linz!
Fußball National
Mutter angeklagt:
An Spritzenpumpe für Tochter (2) manipuliert?
Oberösterreich
Fans und Spieler sauer
Die Zeit der violetten Ausreden ist nun vorbei!
Fußball National
Goldtorschütze in Graz
Rapids Schwab: „Sterben nicht mehr in Schönheit“
Fußball National
Bayerns Star-Neuzugang
„Ihm fehlt der Charakter!“ Kritik an Coutinho
Fußball International
NEOS wollen Änderungen
Österreich: 22 Mio. Euro für Politikerpensionen
Österreich