Quasi 100 Prozent der Kärntner essen ihn gern, etwa die Hälfte bäckt ihn, er ist ein Teil von Ostern, doch wie schreibt man ihn? Reinling oder Reindling? Die „Krone“ sucht die Antwort.
Mit oder ohne Nüsse – das ist eine immer wieder heiß diskutierte Frage um das typische Kärntner Germteiggebäck Reinling. Oder Reindling?
„Das Gebäck hat seinen Namen von seiner Backform: der Rein“, weiß Roland Bäck, Historiker und Leiter der Abteilung Vermittlung im Kärnten Museum. Die Rein kennt auch der Duden, die „Bibel des Deutschlehrers“, das Standardwerk der deutschen Sprache, das seit 1880 die Grundlage einer einheitlichen deutschen Rechtschreibung bildet. Der Begriff wird laut Duden vor allem im Bayrischen und Österreichischen gebraucht, die Mehrzahl lautet die Reinen.
„Das ist ein eher flaches, rundes Backgefäß“, erklärt Lisa Jestl von der Vermittlungsabteilung im Freilichtmuseum in Maria Saal: „Und es gilt das Lochverbot!“ Denn ein Kärntner Rein(d)ling wird typischerweise nicht in einer Gugelhupfform gebacken. Das bestätigt auch Manuela Pichler, die Projektleiterin der Arge Seminarbäuerinnen Kärnten: „Aber das Backen in einer Rein ist schwieriger. Durch das Loch in der Gugelhupfform ist es einfacher, den Teig gut durchzubacken. Die Wärme überträgt sich anders.“
Über die Frage nach dem „d“ habe sie schon oft nachgedacht: „Weil das Wort von der Rein kommt, müsste es Reinling heißen, aber man liest auch in alten Rezepten oft vom Reindling. Woher das d kommt, ist mir unerklärlich. Wir haben uns aber auch für die Schreibung mit d entschieden.“
Das empfiehlt auch der Duden, der ja die Rein kennt, jedoch keinen Reinling, wohl aber einen Reindling.
Die nächste Station auf der Suche nach einer Antwort ist der Tempel des Wissens, die Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. „Der Reinling wäre ja sprachlogisch richtig. Da aber die Rein ein dialektaler Ausdruck ist, der letztlich vorwiegend mündlich verwendet wird, gelten hier die Gesetze der artikulatorischen Ökonomie. Kurz gesagt: Reindling ist ,einfacher’ für die Dialektsprecherinnen und -sprecher zu artikulierten, da die Silbe Rein schwach auslautet; mit dem d ist der Übergang zu -ling eindeutiger und artikulatorisch leichter zu bewerkstelligen. Analoge Beispiele findet man im Standard: Man spricht ja von morgendlichen Turnübungen und nicht von ,morgenlichen’“, erklärt Sprachwissenschaftler Jürgen Struger.
Das d dient also lediglich dem Sprachfluss; mit d kommt das Wort ebenso flott aus dem Mund heraus wie ein guter Reindling – ob mit oder ohne Nüsse – hinein.
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