Für ihre Untersuchung hatten sie 160 Frauen und 165 Männer zunächst zu ihrer sexuellen Orientierung befragt. Vertreten waren dabei neben hetero- und homosexuellen auch bisexuelle Personen. Anschließend zeigten die Wissenschaftler den Probanden kurze Videoausschnitte, auf denen entweder eine neutrale Szene zu sehen war oder aber ein Mann oder eine Frau in einer erotischen Situation. Währenddessen registrierte eine spezielle Kamera sowohl die Augenbewegung und Blickrichtung als auch die Weite der Pupillen des Betrachters.
Die Auswertung zeigte, dass die Pupillenreaktion genau verriet, zu wem sich die Probanden stärker hingezogen fühlten. "Wenn eine Versuchsperson im Laufe der 45-minütigen Testphase immer die gleiche unwillkürliche Reaktion auf die Bilder beispielsweise von Männern zeigt, dann spricht dies dafür, dass dies ein verlässliches Signal ist", schreiben die Forscher in einer Aussendung der Universität.
Nicht immer stimmte die Reaktion der Pupillen dabei mit dem überein, was die Probanden zuvor in der Befragung angegeben hatten: Bei einigen Männern und Frauen, die sich selbst als heterosexuell bezeichneten, weiteten sich die Pupillen auch deutlich beim Anblick von Angehörigen ihres eigenen Geschlechts.
Trennung bei Männern weniger klar
Ihre Ergebnisse widerlegen zudem Vorurteile über die Sexualität von Männern, so die Forscher. Denn bisher glaubte man, dass sich nur heterosexuelle Frauen auch vom eigenen Geschlecht angezogen fühlen können. Bei Männern, so wurde angenommen, gebe es eine sehr viel klarere Trennung zwischen homo- und heterosexuell.
Doch das stimme nicht, sagen die Forscher. "Wir können eindeutig belegen, dass es nicht nur Frauen mit flexiblem sexuellem Begehren gibt", sagt Co-Autor Ritch Savin-Williams. Auch bei Männern gebe es fließende Übergänge. "Wahrscheinlich reicht selbst die Einteilung in schwul, heterosexuell und bi nicht aus, um diese Abstufungen zu erfassen", konstatiert der Forscher.
"Wollten eine weniger invasive Methode finden"
Frühere Studien hatten lediglich durch Befragungen der Personen oder Messungen im Genitalbereich belegt, zu welchem Geschlecht sich die Probanden eher hingezogen fühlten, die Wissenschaftler aus New York führen erstmals Messungen an den Pupillen einer größeren Personenanzahl durch. "Wir wollten eine weniger invasive Methode finden, die Pupillenreaktion ist genau das", erklärt Erstautor Gerulf Rieger.
Mithilfe der Pupillen-Methode lasse sich auch besser als zuvor erforschen, wie die sexuelle Orientierung bei Naturvölkern oder anderen traditionellen Kulturen sei, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin "PloS ONE". Das sei beispielsweise wichtig, um zu erfahren, wie sich die sexuelle Orientierung in verschiedenen Populationen weltweit unterscheide. Das könne dann auch wertvolle Aufschlüsse über die biologische Basis der menschlichen Sexualität geben.
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