Goethes „Iphigenie auf Tauris“ wurde von Regisseur und Bühnenbildner Ulrich Rasche radikalauthentisch im Akademietheater auf die Bühne gewuchtet.
Wem der Sinn nach einem der größten Texte der Weltliteratur steht - nicht nach Videomüll und Dramaturgengeplapper -, der wird die Mühsal gern auf sich nehmen: zweieinhalb pausenlose Stunden pure Sprache in extremer Rhythmisierung und Ritualisierung. Lange Passagen der Goethe’schen „Iphigenie“, vor allem die Erzählungen der Vorgeschichte, sind auf einen Chor verteilt, der Blankvers wird in aller Schönheit und Erhabenheit wiedergegeben.
Der Regisseur und Bühnenbildner Ulrich Rasche zwingt die Schauspieler auf die nie stillstehende Drehbühne. Wie Blinde durch Finsternis, Nebel und Feuer taumelnd, folgen sie ihrem Verhängnis. Aber die Moira, das zerstörerische Schicksal, ist bezwinglich: Die blutige Atriden-Tragödie findet hier ihr Ende und ihre Auflösung, weil einander die so genannten Barbaren und die gefangenen Griechen in der aufklärerischen Haupttugend der Vernunft begegnen. Das ist Goethes zutiefst ermutigende Lehre, und das Ensemble setzt sie bis zur Erschöpfung um.
Rasche kann die Ereignisse bis zur Detonation aufheizen, wobei der Gebrauch der Gesichtsmikrofone im kleinen Haus zu überdenken wäre. Dass die Wirkung etwas geringer ist als bei seinem großartigen Salzburger „Nathan“, mag an der Besetzung liegen. Valery Tscheplanowa konnte dort das Ritual ein Stück sprengen und die Titelgestalt mit Psychologie durchbluten. Die imponierende Julia Windischbauer kann sich dagegen aus dem Deklamieren nicht ganz befreien. An ihrer Seite behaupten sich achtbar und selbstaufopfernd: Daniel Jesch, Ole Lagerpusch, Maximilian Pulst, Enno Trebs, vier Choristen sowie je ein Schlagwerker und Keyboarder.
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