Bester Freund tot

Prozess nach Autounfall: Polizei muss anrücken

Gericht
23.02.2024 12:53

Eine Zuschauermenge, die den Rahmen jedes Gerichtssaals sprengen würde, wohnte dem Prozess gegen einen 21-Jährigen in Wien bei. Der junge Serbe tötete bei einem Autounfall seinen besten Freund fahrlässig. Die teilbedingte Strafe von 15 Monaten löst bei den fast 150 Angehörigen Unmut aus - und einen Polizeieinsatz.

Es ist ein Prozess, dem eine Tragödie zugrunde liegt: Am 5. Mai in den frühen Morgenstunden kam es zu einem schrecklichen Verkehrsunfall auf der Leberstraße in Wien-Simmering. Ein 19-Jähriger kam bei der Kollision mit einem parkenden Omnibus ums Leben. Angeklagt ist nun sein bester Freund, der das Unfallauto gelenkt hatte. 

Mehr Zuschauer als Kurz-Prozess
An seinem Verhandlungstag versammeln sich knapp 150 Angehörige des Opfers, drängen sich vor dem viel zu kleinen Saal im Wiener Landesgericht - bis Richter Andreas Hautz den Prozess sogar verlegen muss. Die Zuschauer durften sogar Schulter an Schulter stehend im neuen und größeren Verhandlungssaal beiwohnen.

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Als Alternative haben wir nur noch den großen Schwurgerichtssaal und der ist anderweitig besetzt - obwohl wir mehr Zuschauer haben.

Richter Andreas Hautz über den Andrang der Interessenten, der wohl jenen des Kurz-Prozesses schlägt.

„Als Alternative haben wir nur noch den großen Schwurgerichtssaal und der ist anderweitig besetzt - obwohl wir mehr Zuschauer haben.“ Dort werden Urteile gegen Ex-Kanzler Sebastian Kurz erwartet - die dort eingesetzten Polizisten werden kurzfristig zum Prozess wegen fahrlässiger Tötung gerufen.

Mit 400 PS-starkem BMW die Kontrolle verloren
„Ich habe seither sehr oft Flashbacks. Ich beschuldige mich jeden Tag“, sagt der junge Serbe auf der Anklagebank. Denn er war es, der nach einer Kurve mit fast 100 km/h die Kontrolle über den 1-er BMW mit Sportausstattung verloren hat - der zusätzlich noch auf 400 PS aufgetunt war. Mit dieser Geschwindigkeit knallte das Fahrzeug mit der Beifahrertür gegen den Bus. Der 19-Jährige war sofort tot, starb an einem Schädel-Hirn-Trauma und inneren Blutungen. Auch der 21-Jährige wurde schwer verletzt.

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Ich wäre glücklicher, wenn ich gestorben wäre und nicht mein Freund. Ich würde mein Leben geben, um seines zurückzuholen.

Angeklagter (21) über den Tod seines besten Freundes

Die Ironie der schrecklichen Situation: Der PS-starke BMW gehörte dem verstorbenen 19-Jährigen. „Ich wollte einmal das Auto ausprobieren. Ich habe getunte Autos geliebt. Ich bereue aber nichts mehr, als, dass ich mich an diesem Tag ins Auto hinters Lenkrad gesetzt habe. Ich wäre glücklicher, wenn ich gestorben wäre und nicht mein Freund. Ich würde mein Leben geben, um seines zurückzuholen“, schluchzt der Angeklagte vor dem Richter. 

Verteidiger erntet Missgunst aus dem Publikum
Sein Verteidiger Elmar Kresbach versucht den Unfall - zum Entsetzen der Angehörigen - zu relativieren: „Es gibt eine abgedroschene Redewendung: Der Teufel schläft nicht. Und bei dem Vorfall ist alles zusammengekommen.“ - ein schnelles Auto, junge Burschen mit Testosteron-Überschuss und der Bus, der genau am falschen Ort geparkt hätte. „Er selber leidet fast am meisten“, dafür erntet Kresbach verachtendes Schnauben aus der Menge. 

§ 81 StGB Grob fahrlässige Tötung

(1) Wer grob fahrlässig den Tod eines anderen herbeiführt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren zu bestrafen.

(2) Ebenso ist zu bestrafen, wer den Tod eines Menschen fahrlässig herbeiführt, nachdem er sich vor der Tat, wenn auch nur fahrlässig, durch Genuss von Alkohol oder den Gebrauch eines anderen berauschenden Mittels in einen die Zurechnungsfähigkeit nicht ausschließenden Rauschzustand versetzt hat, obwohl er vorhergesehen hat oder hätte vorhersehen können, dass ihm eine Tätigkeit bevorstehe, deren Vornahme in diesem Zustand eine Gefahr für das Leben, die Gesundheit oder die körperliche Sicherheit eines anderen herbeizuführen oder zu vergrößern geeignet sei.

Wütende Verwandte und Freunde lösen Polizeieinsatz aus
Für Richter Andreas Hautz ist aber klar: „Wer sich in so ein Auto setzt und mit so einer Geschwindigkeit durch das Ortsgebiet fährt, der geht einen Teil sitzen.“ Das heißt: 15 Monate, davon vier in Haft. Und auch die Autoindustrie zieht Herr Rat zur Verantwortung: „Solange solche Fahrzeuge serienmäßig gebaut werden, werden junge Männer auf unseren Straßen sterben. Wer braucht so einen Unsinn?“ 

Ein Urteil, das die Verwandten und Freunde des verstorbenen 19-Jährigen entsetzt. Ein paar springen auf, schreien dem Richter entgegen. Andere beschimpfen den 21-Jährigen lautstark - der ins Hinterzimmer geführt werden muss. Eine Frau beginnt wutentbrannt zu brüllen: „Mörder! Mörder!“ Von zahlreichen Polizeibeamten muss der Mob aus dem Landesgericht eskortiert werden. 

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