Die Uraufführung von „Heldenplatz“ am Wiener Burgtheater wurde 1988 zu einem der größten Theaterskandale, die Österreich je erlebt hat - Endet Frank Castorfs Thomas-Bernhard-Produktion am Samstag in der Burg wieder im Tumult?
Brüllende Menschenmassen drängen vor dem Burgtheater, Randalierer schwenken Transparente, auf denen „Nestbeschmutzer vereinigt euch!“ oder „Peymann raus!“ steht. Überall Polizei! Protestierende entleeren Fuhren von Mist vor dem Haupteingang. André Heller fragt die Radaubrüder zynisch, ob die Rossknödeln von den Umstehenden stammen? Und im Zuschauerraum setzt sich der Tumult mit Pfiffen, Zwischenrufen, aber auch einem demonstrativen Jubelorkan fort.
Seit August hatte sich der Wirbel um die Uraufführung von Thomas Bernhards „Heldenplatz“ am 4. November 1988 aufgebaut. Doch allen Randalen zum Trotz wurde Peymanns Inszenierung mit den wunderbaren Bühnenbildern Karl-Ernst Herrmanns zu einem Triumph. Sogar im Ausland. Und der Dramatiker Heiner Müller nannte das Stück die „größte Werbung für Österreich“.
35 Jahre nach der Uraufführung wagt sich nun Frank Castorf an das Drama „Heldenplatz“ - längst ein Kultstück der österreichischen Literatur. Wird es diesmal im Burgtheater wieder Proteste geben? Gegen das Stück sicher nicht, möglicherweise aber gegen Castorfs Regieideen. Was er plant, bleibt Geheimnis.
Aber feststeht, dass er jeden Schauspieler in mehreren Rollen einsetzt, dass das Stück zum Teil in der New Yorker U-Bahn spielt. Und dass er nicht nur Bernhards Original, sondern auch Tagebucheintragungen des US-Präsidenten John F. Kennedy, Texte von Thomas Wolfe u. a. verwendet, also das Stück um den jüdischen Professor, den „Nazi-Wien auf dem Gewissen hat“ - er begeht Selbstmord - gründlich umkrempelt. Es spielen Marcel Heuperman, Inge Maux, Birgit Minichmayr, Franz Pätzold, Branko Samarowski und Marie-Luise Stockinger.
Und wie reagiert Castorf auf Buhs und Pfiffe? Wie nach dem Skandal um seinen „Ring des Nibelungen“ bei den Bayreuther Festspielen? „15 Minuten Buhs, das war wunderbar“, freut er sich. „Ich habe mich gefühlt wie Mick Jagger. Das war mein Applaus.“
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