Botschaften von 1757

Nach 265 Jahren: Liebesbriefe an Seeleute geöffnet

Wissen
07.11.2023 12:25
Porträt von krone.at
Von krone.at

265 Jahre, nachdem sie geschrieben wurden, haben Forscher mehr als 100 Briefe an französische Seeleute aus der Zeit des Siebenjährigen Krieges geöffnet. Die Schreiben gingen 1757/58 von Ehefrauen, Verlobten, Eltern und Geschwistern an die 181 Besatzungsmitglieder des Kriegsschiffs „Galatée“. In mehreren französischen Häfen verpassten die Sendungen die Crew nur knapp. 

Als das Schiff von den Briten gekapert wurde, schickten Behörden die Briefe nach England. Dort aber landeten sie in einem Lager - und wurden nun von einem Forscher der Universität Cambridge im Nationalarchiv in Kew entdeckt.

„War erster Mensch, der Briefe lesen durfte“
„Es gab drei Stapel Briefe, die mit Bändern zusammengehalten wurden“, so der Historiker Renaud Morieux. „Mir wurde bewusst, dass ich der erste Mensch war, der diese äußerst persönlichen Nachrichten gelesen hat, seit sie verfasst wurden.“ Die eigentlichen Empfänger hätten diese Chance nicht gehabt. „Es war sehr emotional“, so Morieux.

Morieux benötigte für die Entzifferung der Briefe mehrere Monate. Rechtschreibung und Zeichensetzung gingen demnach wild durcheinander. Seine Forschungsergebnisse veröffentlichte der Historiker in der Zeitschrift „Annales. Histoire, Sciences Sociales.“

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Heute haben wir Zoom und Whatsapp. Im 18. Jahrhundert hatten die Menschen nur Briefe.

Historiker Renaud Morieux

Briefe über Leidenschaft, Pandemien und alltägliche Sorgen
Die Schreiben handelten von persönlichen Angelegenheiten. „Sie enthüllen, wie sehr wir alle mit großen Herausforderungen im Leben umgehen müssen. Wenn wir von geliebten Menschen getrennt sind durch Ereignisse jenseits unserer Kontrolle wie Pandemien oder Kriege, versuchen wir, Kontakt zu halten, uns zu versichern, für Menschen zu sorgen und die Leidenschaft am Leben zu halten“, so Morieux. „Heute haben wir Zoom und Whatsapp. Im 18. Jahrhundert hatten die Menschen nur Briefe.“

„Gute Nacht, mein teurer Freund“
Als Beispiele nannte der Historiker einen Brief von Marie Dubosc an ihren Ehemann, Oberleutnant Louis Chambrelan. „Gute Nacht, mein teurer Freund. Es ist Mitternacht. Ich denke, es ist Zeit für mich zu ruhen.“ Das Paar sollte sich nie wiedersehen - die Ehefrau starb kurz darauf.

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