Sa, 20. Oktober 2018

Minister empört

23.03.2012 19:43

Lehrerin ordnet Schweigeminute für Toulouse-Killer an

In Frankreich herrscht Empörung über eine Lehrerin, die Freitag früh in ihrer Klasse eine Schweigeminute für den Serienattentäter Mohammed Merah abhielt. Der französische Bildungsminister Luc Chatel sprach von einem "unglaublichen Verhalten", die Rektorin der Schule im nordfranzösischen Rouen reagierte am Abend mit der Suspendierung der Pädagogin.

Schülervertreter der Klasse hatten sich an den Schulleiter gewandt und gegen die Schweigeminute für den Islamisten protestiert, der in den vergangenen Tagen in Südfrankreich insgesamt sieben Menschen erschossen hatte, darunter drei Kinder einer jüdischen Schule.

Die Lehrerin habe "klar gesagt, dass Mohammed Merah ein Opfer ist" und dass die Verbindung zu dem islamistischen Terrornetzwerk Al-Kaida eine Erfindung der Medien und von Staatspräsident Nicolas Sarkozy sei, schrieben die Schülervertreter in einem Brief. 16 der rund 20 Schüler hatten aus Protest gegen die Schweigeminute das Klassenzimmer verlassen.

Seit sieben Jahren an der Schule
"Die Lehrerin erschien mir ziemlich durcheinander und labil", sagte die Rektorin der Gustave-Flaubert-Oberschule, Florence Robine, am Freitagabend. Sie scheine erst langsam zu begreifen, was sie getan habe. Ein Disziplinarverfahren gegen die Englischlehrerin, die seit sieben Jahren an der Schule unterrichtete, laufe.

Geheimdienst im Kreuzfeuer der Kritik
Nach der Attentatsserie von Merah stehen indes die Behörden im Kreuzfeuer der Kritik, besonders der Inlandsgeheimdienst DCRI. Nach dem ersten Attentat am 11. März, bei dem ein Fallschirmjäger der Armee in Zivil erschossen wurde, liefen lediglich routinemäßige Ermittlungen an: Verteidigungsminister Gérard Longuet räumte ein, dass er "sich Vorwürfe macht", sich nicht gleich eingeschaltet zu haben. Dann hätte bei den Ermittlungen vielleicht "Zeit gewonnen" werden können, denn der getötete Soldat war ein unbeschriebenes Blatt und seinen Vorgesetzten als zuverlässig bekannt.

Erst nach dem zweiten Anschlag vier Tage später, bei dem zwei Fallschirmjäger in Uniform auf offener Straße erschossen und ein dritter lebensgefährlich verletzt wurden, kamen die Ermittlungen auf Touren. Außenminister Alain Juppé bestritt aber sofort einen Zusammenhang mit dem Einsatz der Armee in Afghanistan, obwohl die betroffene Einheit dort zum Einsatz kommt. Zum ersten Mal wurde nun zwar auch die Anti-Terrorismus-Abteilung der Polizei in Toulouse eingeschaltet. Laut Longuet wollten "bestimmte Leute" aber "absolut", dass vor allem die Spur eines rassistischen Soldaten oder Ex-Soldaten verfolgt werde. Die islamistische Spur verfolgten die Ermittler nicht vorrangig.

Geheimdienstchef: "Untypischer Einzeltäter"
Merah erschoss am Montag vor einer jüdischen Schule drei Kinder und einen Lehrer. Danach stellte sich die drängende Frage, ob diese Morde nicht hätten verhindert werden können, wenn der Islamist früher ins Visier der Ermittler geraten wäre. "Es war unmöglich, am Sonntagabend zu sagen: 'Es ist Merah, man muss ihn festnehmen'", verteidigte Geheimdienstchef Bernard Squarcini am Freitag das Vorgehen seiner Truppe. Der Geheimdienstchef sprach von einem untypischen Einzeltäter, der nicht als gewaltbereiter Islamist eingestuft worden sei.

Die Opposition hält dem Geheimdienst hingegen schlampige Arbeit vor. Der 2008 gegründete DCRI werde schon lange politisch instrumentalisiert und sei "mit allem möglichen" beschäftigt, nur nicht mit dem Anti-Terror-Kampf, kritisierte Grünen-Präsidentschaftskandidatin Eva Joly. Denn der Geheimdienst und sein Chef hatten in den vergangenen Monaten vor allem damit Schlagzeilen gemacht, dass sie Journalisten in Affären ausspähten, die für Präsident Sarkozy gefährlich werden könnten. Gegen Squarcini laufen deshalb Ermittlungen.

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